Sonntag, 28. Dezember 2014

H wie Heiligabend

So, etwas zu spät, aber besser spät als nie, sollte ich jetzt vielleicht mal von meinem Weihnachten hier berichten. "Weihnachtsstimmung" ( wenn man das überhaupt so nennen kann) kam bei uns bereits am 23.12. auf, da wir vom ACJ zu einem Weihnachtsessen in der Filiale eingeladen wurden. Alle wichtigen Vorstände des ACJ waren da, ebenso einige Jugendliche, die dort Freiwillig arbeiten. Eingeleitet wurde der Abend mit einigen Reden der Vorsitzenden, danach folgte eine Vorführung einer Tanzgruppe, die typische einheimische Tänze vorführte. Darauf folgte das Essen, das von einer Catering- Firma ausgerichtet wurde. Zu meiner Überraschung boten die sogar endlich mal eine vegetarische Version des Essens an, das nutzte ich natürlich sofort freudig aus, und so gab es für mich endlich mal kein pollo oder sonstigen Spaß - sondern gefüllte überbackene Champignons, überbackene Aubgerine, Reis, Ofenkartoffeln und Salat. Nach dem Essen trat dann eine Band auf, die natürlich ecuadorianische Musik spielte und nach einigen Lieder wurden wir - ganz typisch - alle aufgefordert, das Tanzbein zu schwingen. Irgendwann waren alle aber ziemlich erschöpft und mit so viel Essen im Bauch tanzt es sich ja auch nicht so gut, deshalb löste sich die ganze Gesellschaft dann ziemlich bald auf und wir gingen wieder nach Hause. 

Der 24.12. - also Heiligabend oder hier eben Nochebuena - ist eigentlich auch hier in Ecuador wie bei uns in Deutschland der Wichtigste der Weihnachtsfeiertage. Normalerweise feiert man auch hier diesen Abend mit einem großen Essen, danach werden die Geschenke ausgepackt und getrunken und getanzt. So wird das normalerweise auch hier in unserer Familie gemacht - nur dieses Jahr nicht, da Natalia arbeiten musste, und deshalb erst am 25. nach Quito kommen konnte und da die Familie wollte, dass alle zusammen sind, haben wir am 24. nicht das typische Fest gefeiert, sondern warteten bis zum 25. damit. Den 24. Dezember verbrachten wir also damit, das Essen für den folgenden Tag vorzubereiten. Das typische Weihnachtsessen hier ist pavo ( Truthahn), den wir erstmal auftauen mussten, dann haben wir ihn in mit Gemüse und Salz, Knoblauch und Zwiebeln gekocht, bevor wir ihn mit Würze eingerieben und in den Ofen geschoben haben. Da unser Ofen hier ziemlich langsam ist, dauerte das Backen des Truthahns ganze sieben Stunden! 
Während wir also auf den Truthahn warteten, bereiteten wir weiteres typisch weihnachtliches Essen vor. So zum Beispiel ein süßes Gebäck, das sich Bunuelo nennt - der Teig besteht aus Maismehl, Weizenmehl, Eiern, Milch, etwas Zucker und Salz und man frittiert diesen Teig in Öl. Dazu gibt es ein Gemisch aus Honig, Wein und Zimt, in das man diese Bunuelos dann später eintunkt - sehr, sehr lecker sage ich euch! 
Außerdem haben wir Tamales gemacht - das ist ein Teig aus Maismehl, das wir außerdem mit Eiern, Hühnchen, Erbsen und Rosinen vermischt haben. Das ganze wird dann in die Blätter irgendeiner Pflanze eingewickelt haben ( mir ist leider der Name entfallen). Das ganze wird dann in einem Topf dampf gegart und schmeckt echt lecker.
Da Steffi zum Abendessen bei einer anderen Familie eingeladen war, verbrachte ich den Heiligabend alleine mit unserer Familie zu Hause. Der Abend war wirklich in keinster Weise Weihnachtlich oder anders als andere Abende hier, wir haben nicht einmal alle gemeinsam gegessen. Der einzige Unterschied zu normalerweise war, dass es zusätzlich zu einem Berg Reis und Hühnchen auch noch Tamales und Bunuelos gab. Ach ja - nach dem Essen haben wir dann auch noch einen Weihnachtsfilm angeschaut. Danach bin ich dann ins Bett gegangen, um mich auf den - hoffentlich mehr weihnachtlichen - 25.12. zu freuen. 

Also gut, Weihnachten kann kommen! Am ersten Weihnachtsfeiertag stand ich extra früh auf, um unserer Mutter beim Kochen zu helfen, da die Vorbereitungen des Weihnachtsessen noch lange nicht abgeschlossen waren und es noch sehr viel zu tun gab. Aber zunächst einmal gab es Tamales zum Frühstück, denn obwohl wir noch einen Berg voller Essen für heute vor uns hatten, darf das Frühstück natürlich nicht ausfallen. Danach ging es dann auch schon ans Kochen, zunächst einmal bereiteten wir einen arroz navideno ( Weihnachtsreis) vor, der, da er mit Petersilie gekocht wird, grün ist. Außerdem wird er mit Garnelen, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch angebraten. Das war die erste Beilage. Die zweite Beilage waren gebratene Kartoffeln, ebenfalls mit Petersilie. 
Da der Truthahn nicht genug Fleisch ist, haben wir dann natürlich auch noch Schinken mit in den Ofen geschmissen und für die Vorspeise weitere Garnelen angebraten. Natürlich wollen wir nicht nur ungesund essen, deshalb gab es noch Erbsen, Karotten und Salat. Nach stundenlanger Vorbereitung war das ganze Essen dann endlich fertig und die ganze Familie eingetrudelt, deshalb konnten wir uns endlich an den Tisch setzen und essen, essen, essen. Nach einem Berg voller Essen ging das Programm dann weiter mit einer "Show" die Ismael und der Sohn von Vito - Sebastian - für uns vorbereitet hatten. Sie bestand aus ein bisschen Krippenspiel, Gesang und einigen Witzen - das ganze war eigentlich echt süß. Danach ging es dann ( endlich!) ans Geschenke auspacken. Geschenke bekommen hier aber hauptsächlich nur die Kinder - und das nicht zu knapp. Die drei kleinen haben so einen riesigen Berg voller Geschenke bekommen, dass man hätte denken können es wurde für zehn Kinder eingekauft. Wir bekamen auch eine Kleinigkeit geschenkt und haben unserer Gastfamilie eine Einladung zum Essen geschenkt -beschrieben auf einer Karte die ich liebevollst gebastelt hatte ;D 
Nachdem alle Geschenke ausgepackt waren, schauten wir einige Zeit den Kindern beim Spielen zu, aßen Plätzchen und dann ging es auch schon los mit dem Getanze - das darf hier anscheinend wirklich nieeemals fehlen ( zu meinem Pech :D). Es war aber eigentlich wirklich cool, da die ganze Familie - egal ob groß oder klein - zusammen im kleinen Wohnzimmer zusammen tanzte. Ein paar Stunden ( ja, wirklich Stunden) des Tanzens später, ging es dann ans Abendessen, wo die Reste des Mittagessens ( ja, es ist tatsächlich sogar noch was übrig geblieben, obwohl jeder von uns einen Berg auf seinem Teller hatte!)  aufgetischt wurden. Außerdem gab es auch noch Torte, da der Freund von Natalia zufälligerweise auch noch an diesem Tag Geburtstag hatte.
Nach dem Essen ging es dann weiter mit dem Tanzen, außerdem wurde nun begonnen, zu trinken. Das ganze fing mit Bier an, lief dann über in Wein, später gab es Tequila ( getrunken mit Zitronen gepflückt aus dem eigenen Garten ;) ) und ganz zum Schluss einen Himbeergeist, den ich aus Deutschland mitgebracht hatte. Während des Besäufnisses hatten sich die Eltern sowie Rocio und ihre Familie irgendwann ausgeklinkt, aber der ganze tapfere Rest war sowas von besoffen, dass alle irgendwann sogar aufhörten zu tanzen ( oh Wunder!) und im Halbschlaf mit einem mega - Seier auf dem Sofa rumhingen. Das ganze wurde mir dann so um ein Uhr Nachts irgendwann zu schnöde und ich war sowas von vollgefressen und müde, dass ich beschloss, mich auch zu verabschieden und ins Bett zu gehen. 

Der zweite Weihnachtsfeiertag wurde ebenfalls mit der ganzen Familie verbracht, wir machten einen Ausflug zur mitad de mundo - also zur "Mitte der Welt". Dieser Ort soll angeblich direkt am Äquator liegen, es gibt dort ein riesiges Denkmal und allen möglichen Kram, die Linie des Äquators ist sogar eingezeichnet - leider haben sich die Genies, die das ganze errichtet haben etwas verrechnet, deshalb liegt der ganze Spaß leider nicht exakt in der Mitte der Welt. Schade aber auch, wir haben uns nicht dran stören lassen, dort ist es nämlich trotzdem richtig richtig schön, und es macht sich ja ganz toll, dort Fotos zu schießen und wenigstens so zu tun als stünde man mit einem Fuß auf der Nord- und mit dem anderen auf der Südhalbkugel ;D

So, das war also mein Weihnachten hier, es war leider etwas unspektakulär, aber hier ist es anscheinend auch so, dass Silvester anscheinend wichtiger als Weihnachten ist und auch mehr gefeiert wird ( man feiert es hier traditionell mit der Familie). 
Ich hoffe, ihr hattet alle schöne Feiertage zuhause und habt sie mit den Menschen verbracht, die euch wirklich wichtig sind! Wenn man so weit weg von zu Hause ist, weiß man ( zumindest ich) vor allem an solchen Tagen besonders zu schätzen, wie schön es ist, solche besonderen Tage zusammen mit seiner Familie zu verbringen - zumal man sich vielleicht sonst während des restlichen Jahres nicht so viel Zeit nimmt, sich einfach einen Abend zusammen zu setzen, schön zu essen und sich vor allem einfach zu unterhalten und Zeit miteinander zu verbringen. 

Jetzt wünsche ich euch dann erstmal ( weil ich ja Weihnachten leider schon verpennt habe :D) einen guuuuuuten Rutsch ins neue Jahr! Lasst es krachen und kippt euch schön einen hinter den Latz! Aber passt auf, ihr wisst ja was man sagt: Wein auf Bier, das rat ich dir, Bier auf Wein, das rat ich dir! PROST! 

Das sind die berüchtigten Tamales
..und das sind Buñuelos




Mittwoch, 17. Dezember 2014

G wie Galletas

Gestern haben Steffi und ich uns gedacht, es ist Zeit, hier endlich mal für Weihnachtsstimmung zu sorgen, deswegen sind wir nach der Arbeit in den Megamaxi gefahren ( es gibt hier eine Supermarktkette, die Filialen unterschiedlicher Größe hat - Super-, Mega- und Hypermaxi), um Zutaten für galletas also Plätzchen, zu kaufen. Unsere Wahl fiel auf Lebkuchen, die wohl typischsten deutschen Plätzchen, und ausgefuchst wie ich bin, hatte ich natürlich schon vorgesorgt und Oblaten sowie Lebkuchengewürz von zu Hause mitgebracht. Es fehlten uns also nur noch gemahlene Mandeln und brauner Zucker sowie Eier, den Rest hatte unsere Familie daheim. Das Problem war nur: hier gibt es anscheinend keine gemahlenen Mandeln, deshalb mussten wir ganze Nüsse ( die auch hier übrigens sackteuer sind) kaufen, und diese dann schön ordentlich per Hand in gemahlene Mandeln verwandeln. Also ran an die Hackmesser, und auf gehts! Klingt einfach und spaßig? Äh, nein, ganz sicherlich nicht. Lebkuchen backen ist anscheinend normalerweise eine Sache von 20 Minuten, aber alleine das Zerhacken der Mandeln hat 2 Stunden gedauert, da wir ein halbes Kilo zerkleinern mussten :D Danach ging alles dann mehr oder weniger fix und wir konnten den fertigen Teig auf Backblechen verteilen. Nächstes Problem: hier gibt es anscheinend kein Backpapier, sondern man legt das Backblech mit Alufolie aus. Das sollte sich später noch als ziemlich ungünstig herausstellen. Jedenfalls haben wir dann die Oblaten schön ordentlich auf dem Blech verteilt, brav mit angemessenen Abstand zum Nebenmann. Daraufhin haben wir den Teig auf die Oblaten geklatscht, schon dabei stellte sich heraus, dass dieser wohl ein bisschen zu flüssig geraten war, denn er zerlief schon dabei ein wenig. Nun gut, das ganze wurde dann in den Ofen gepackt und ca. 20 Minuten später erwartete uns eine Überraschung: die ganzen schönen runden Lebkuchen waren zu einer einzigen riesigen Lebkuchenmasse zerlaufen. Halb so wild, nun hieß es eben, inmitten der Teigmassen die Oblaten aufzustöbern und um sie herum die Lebkuchen auszuschneiden. Das funktionierte dank der Alufolie mehr oder weniger gut, da der Teig, überall wo keine Oblate war, eeetwas an der Folie festklebte, sodass wir das ganze mit Ach und Krach abschaben mussten und versuchten, daraus mehr oder weniger ansehliche Lebkuchen zu formen. Das gelang und nicht ganz so gut. Irgendwann waren dann aber endlich alle Lebkuchen vom fiesen Backblech und der anhänglichen Alufolie befreit und so hässlich sie letztendlich aussahen, sie schmeckten echt richtig richtig lecker, wie echte Lebkuchen eben. Sogar unserer Familie haben sie total gut geschmeckt, sodass heute schon fast alle verputzt sind. Eigentlich wollten wir die Lebkuchen noch mit Schokolade überziehen, aber erstens hätte das ihr hässliches Aussehen wohl eh nicht mehr gerettet und zweitens hatten war nach insgesamt 3 Stunden Arbeit keine Lust mehr, noch länger in der Küche zu stehen. Außerdem kommt es ja nicht aufs Aussehen an , sondern die inneren Werte zählen! ;D in diesem Sinne schon mal: feliz prä- navidad und esst ein paar Plätzchen für mich mit!


Montag, 15. Dezember 2014

F wie Ferien

Uuuund da melde ich mich auch schon wieder :) !
Ich wollte euch im kalten Deutschland nur kurz unter die Nase reiben, dass ich dieses schöne Dezemberwochenende am Strand - genauer gesagt in Canoa - verbracht habe.
Wir sind Freitag Nacht mit zwei weiteren Freiwilligen aus irgendeiner anderen Organisation ( nämlich einem Deutschen namens Willem und einem US-Amerikaner namens Zack) sowie dem Ecuadorianer Pato mit dem Bus ca. sechs Stunden in Richtung Küste gefahren. Wir hatten echt Glück, denn Bus war schon fast voll, als wir um halb 11 am Schalter standen, um unsere Tickets zu kaufen. Glücklicherweise haben wir aber noch Plätze bekommen und so sind wir Samstag früh um halb 8 im kleinen Dorf Canoa an der Pazifikküste angekommen. Dort gibt es wirklich so gut wie nichts, außer ein paar kleine süße Bars und Restaurants am Strand sowie Hostels, ein paar kleine Läden und Surfschulen. Das erst was wir taten war, uns erstmal nach einem Hostel umzusehen. Nach einigen Fehlgriffen hatten wir dann ziemlich schnell eines gefunden, das uns allen einigermaßen gefiel und auch ziemlich sauber und günstig ( 6$ pro Nacht) war. Es wird von einem Italiener betrieben und hat sogar eine Gemeinschaftsküche, die wir später noch nutzen sollten. Nachdem wir das Hostel bezogen hatten, gings dann erstmal in ein Restaurant am Strand, wo wir Garnelenrührei frühstückten, bevor wir uns ans Meer begaben. 
Leider war das Wetter an diesem Tag weniger schön, es war ziemlich frisch und bewölkt und sehr windig, weswegen ich mich nur an den Strand legte und nicht ins Wasser ging, sondern später dann lieber noch einen kleinen Spaziergang machte und Muscheln sammelte. Dabei wurde ich von einem Ecuadorianer, Cristian, angequatscht, der dank eines Aufenhaltes in Deutschland Deutsch konnte und sich uns unbedingt anschließen wollte, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, ab diesem Zeitpunkt war er also wie eine Klette an uns gehangen - jedoch allerdings ohne viel zu reden. Wir hatten dann jedenfalls gegen Nachmittag Hunger, weshalb wir uns erneut ein Restaurant suchten, um dort Fischsuppe und gebratenen Fisch zu essen. Danach kauften Steffi und ich uns dann noch Kokosnüsse, um daraus Kokoswasser zu trinken - das hatte schon wirklich Urlaub und Strandfeeling! Gegen Abend setzten wir uns dann mit Getränken an den Strand und unterhielten uns dort einige Zeit, bevor wir in einer Stranddisko noch ein bisschen das Tanzbein schwangen. 

Am nächsten morgen kauften wir uns dann erstmal zwei riesige Avocados sowie Brötchen und Käse und Bananenkuchen, um gemeinsam in der Gemeinschaftsküche des Hostels zu frühstücken. Da an diesem Tag zum Glück viel, viel schöneres Wetter war als am Tag zuvor, begaben wir uns an den Strand und sogar ich sprang sofort ins Wasser. Nach einem ausgiebigen Sonnenbad ( hab auch schön einen Sonnenbrand kassiert - trotz Eincremen!) folgte nochmals ein kleiner Strandspaziergang und danach das Mittagessen im gleichen Restaurant wie am vorigen Tag - der einzige Unterschied: diesmal gab es Garnelensuppe! 
Da es schon ziemlich spät war ( weil wir morgens sehr lange geschlafen hatten) war es dann auch schon Zeit, den Sonnenuntergang am Strand zu genießen, bevor wir uns nochmal schnell im Hostel duschten um danach direkt unsere Sachen zu packen und uns langsam, aber sicher zur Bushaltestelle zu begeben, denn unser Bus zurück nach Quito fuhr schon um dreiviertel zehn abends. 
Heute kamen wir also um vier Uhr früh zurück im Lauten, kalten Quito an, doch die ( mehr oder weniger) zwei Tage in diesem kleinen Ort am Meer waren schon eine echt schöne Entspannung - vor allem bei der Vorstellung dabei, dass Dezember ist und ihr daheim in Deutschland euch den Arsch abfriert ;D

E wie Ecuador

Grüß Gott, meine liebsten Leser! ( d.h. : Hallo Mama und Papa!) 
In diesem Eintrag möchte ich euch mal die Eindrücke vermitteln, die ich bis jetzt von Ecuador habe. Natürlich bin ich gerade einmal drei Wochen da, deshalb kann ich noch nicht sonderlich viel über Land und Leute sagen. Dennoch denke ich, dass es vielleicht ganz interessant ist, meine "first impressions" mit euch zu teilen :) .

Nun gut, wo soll ich anfangen? Vielleicht bei der wichtigsten Sache hier: Dem Essen. Scheinbar hat Essen hier einen noch tausendmal höheren Stellenwert als in Deutschland, man isst immer und man isst immer viel. Schon mehrere Ecuadorianer haben mir jetzt gesagt, dass es hier normal ist, mindestens sieben mal am Tag zu essen. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass das Essen hier so unglaublich billig ist, sowohl im Supermarkt, als auch in Restaurants, vor allem natürlich Obst und Gemüse, von denen es so viele verschiedene exotische Variationen - wie z.B. die Guanabana - gibt, die man bei uns in Deutschland nicht einmal finden kann. Aber vor allem in Restaurants sind die Preise wirklich krass, denn man bekommt hier ein almuerzo, also ein Mittagessen, das meistens aus Suppe sowie einem Hauptgericht und Saft ( meistens Berge von arroz con pollo und Kochbanane) schon am 1,75$ - und das ganze schmeckt auch noch mega lecker! 
Zum Essen wird meistens nichts getrunken, wenn dann Saft, aber Wasser habe ich hier noch nie jemanden trinken sehen. Wenn überhaupt trinkt man das eh aus der Leitung, ich verstehe aber nicht, wie die Leute das können, weil ich finde, dass es mega eklig schmeckt. Außerdem trinkt man hier morgens oder auch abends gerne mal einen Kaffee, allerdings nicht wie bei uns, mit viel Kaffee und etwas Milch, sondern einer ganzen Tasse Milch mit einem Teelöffel Kaffeepulver - oder aber der Kaffee wird in heißem Wasser aufgelöst, dann aber ganz ganz wenig Kaffeepulver und richtig viel Zucker - mindestens zwei Teelöffel müssen da schon drin sein!
Alle anderen Getränke, die nicht gerade Saft - den man hier übrigens auch eigentlich überall frisch gepresst aus jeder erdenklichen Frucht kaufen kann - oder Wasser bzw. Kaffee sind, sind hauptsächlich Colas ( so wird hier jede Limonade bezeichnet) - wobei diese oft billiger sind als Wasser! 
Was außerdem niemals auf dem Esstisch fehlen darf, ist aji, eine Tabasco- artige scharfe Soße aus einer Pflanze namens Aji, Tomaten, Zwiebeln und etwas Öl. Bei dem ganzen trockenen Reis, den es hier gibt, ist der Aji mein Lebensretter :D!
Dass das meistgegessene Gericht hier arroz con pollo ist, könnte den ganz intelligenten Lesern unter euch vielleicht schon aufgefallen sein. Dass dem so ist, liegt wahrscheinlich daran, dass Reis und Hühnchen hier nun mal so ziemlich die billigsten Nahrungsmittel sind, aus denen man eine Hauptspeise kreieren kann - deshalb ist es auch hauptsächlich das Essen der armen Leute, wo es schon einmal vorkommen kann, dass morgens, mittags und abends arroz con pollo auf den Tisch kommt. In unserer Familie zum Beispiel gibt es gar nicht sooo oft pollo, sondern wenn dann richtiges carne, den Hühnchen wird hier nicht zum Fleisch gezählt, weshalb ich glaube, würde ich hier sagen, dass ich es präferiere, mich vegetarisch zu ernähren, trotzdem ein Hühnchen auf den Teller geknallt bekommen würde. 
Reis ist im Gegensatz zum Hühnchen aber sogar in unserer Familie tagtäglich unumgänglich, es gibt ihn eigentlich zu jeder Mahlzeit, und immer einen Berg davon. Selbst wenn es eine andere Beilage - wie beispielsweise Nudeln - gibt, muss trotzdem immer der gute alte arroz mit auf den Teller. 

Neben dem Essen gibt es natürlich auch noch andere Dinge, die sich von denen Deutschland unterscheiden. Vor allem hier in Quito herrscht ein sehr, sehr reger Verkehr und Verkehrsregeln sind hier wirklich nur pro Forma vorhanden. So interessiert es zum Beispiel keine Sau, ob über rote Ampeln gefahren wird und gebremst wird hier grundsätzlich nicht. Stattdessen macht man sich einfach durch reges Hupen bemerkbar und hofft, dass der andere zur Seite geht. Diese Methode wird vor allem bei Fußgängern gerne angewandt, auf die hier sowieso keine Rücksicht genommen wird, anders als in Deutschland ist hier immer der Fußgänger Schuld und so kann es auch passieren, dass er, als Verursacher eines Verkehrsunfalles, schon mal ins Gefängnis wandert - sofern es seine Verletzungen zulassen. 
Außerdem gibt es vor allem in Quito unzählige Busse, die zwar total wenig kosten ( 25ct durch die ganze Stadt, sofern man nicht umsteigen muss) aber dafür meistens auch mega gerammelt voll sind - und damit meine ich so voll, dass man sich wirklich nicht bewegen kann und sich wie eine eingequetschte Sardine fühlt, die kaum noch Luft zum Atmen hat.
Zudem dauert es vor allem mit dem Bus ewig, sich in der Stadt fort zu bewegen. Da Quito so lang gezogen und sowieso schon riesengroß´ist, braucht man, um vom Norden in den Süden zu fahren, schon mal zwei Stunden - wenn man einigermaßen Glück mit dem Verkehr hat. Momentan ist ein U-Bahn System jedoch schon in Arbeit, das voraussichtlich 2016 fertig gestellt werden soll und mit dem sich die Verkehrslage hoffentlich etwas entspannt. 

Auch das "stille Örtchen" unterscheidet sich von dem in Deutschland. Erstmal wird hier auf Hygiene in diesem Bereich wohl nicht allzu großen Wert gelegt, denn vor allem die öffentlichen Toiletten sind manchmal schon eine extreme Zumutung ( ich möchte darauf jetzt auch nicht unbedingt weiter eingehen) - noch dazu gibt es dort selten Toilettenpapier. Das mit dem Klopapier ist hier sowieso so eine Sache. Denn die Leitungen des Abwassersystems sind hier enger als bei uns in Deutschland, weswegen sie viel leichter verstopfen - das ist der Grund, warum hier grundsätzlich kein Toilettenpapier ins Klo geworfen wird, sondern in einen Mülleimer daneben, wo sich das ganze dann eben ansammelt, bis der Eimer voll ist und erst dann ausgeleert wird. Das meinte ich eben hinsichtlich der Hygiene. 

Was außerdem interessant - vor allem für die Bananenliebhaber unter euch - an Ecuador ist, ist die Tatsache, dass es hier wirklich tausend verschiedene Arten von Bananen gibt, die alle unterschiedliche Namen haben. Ganz ganz grob unterscheidet man zwischen den süßen Bananen, die man einfach so roh ist, und den Kochbananen, die eben nur gekocht genießbar sind, jedoch gibt es für jede dieser beiden Sorten noch unzählige Unterkategorien, so zum Beispiel unter den süßen Bananen, wie wir sie kennen, kleine dicke, sehr süße, etwas größere, schmalere und und und. Auch unter den Kochbananen gibt es Unterschiede, manche sind nur zum Kochen gedacht, andere zum Braten, aus anderen macht man eine Art Teigware - das ganze Bananenspiel habe ich aber noch nicht so ganz durchschaut und auch die unzähligen Namen sind echt schwer zu merken, deshalb unterscheide ich momentan nur zwischen süßer und Kochbanane.

Zu den Menschen hier in Ecuador lässt sich sagen, dass sie - wer hätte das gedacht - viel aufgeschlossener und freundlicher auf Fremde zugehen, als die Deutschen. Sie sind sehr Gastfreundlich und teilen gerne ( vor allem Essen) und zur Begrüßung und zum Abschied ist es üblich, dass man sich umarmt und sich dabei einen Kuss auf die rechte Backe gibt. 
Eine - für Deutsche - vielleicht etwas nervige Eigenschaft der meisten Ecuadorianer ist jedoch, dass sie zwar gerne große Töne spucken und versprechen, dich da und dorthin einzuladen oder dich zu dieser und jener Uhrzeit an einem bestimmten Ort zu treffen - das ganze dann jedoch sehr oft nicht einhalten. Daran muss man sich aber einfach gewöhnen und darauf gefasst sein, eben nicht alles, was der Ecuadorianer einem verspricht, als bare Münze zu nehmen und dann wird man auch nicht enttäuscht. 
Denn die Menschen hier meinen das ganze ja nicht böse, sondern haben einfach diese "komm' ich heut' nicht, komm' ich morgen" - Mentalität, sehen also alles nicht so streng und strikt wie wir Deutschen. 


So, das waren jetzt mal so meine ersten Eindrücke, die ich an euch weitergeben kann, natürlich gibt es noch tausend weitere Unterschiede und andere interessante Dinge, die ich erzählen könnte, aber mehr fällt mir gerade jetzt auch nicht ein. Im Laufe der Zeit werdet ihr bestimmt noch das eine oder andere von mir erfahren, aber im Moment wars das erst einmal, ich will euch ja nicht schon wieder mit einem ellenlangen Eintrag quälen :D! 
Machts gut :) !

Dienstag, 25. November 2014

D wie Dokumentation


-Adaptierter Eintrag-

Wie versprochen, da melde ich mich auch schon wieder ! :)
D wie dankbar hat abgedankt! ( höhö, ich bin so ein Wortwitzkünstler!) Da ich in der letzten Zeit schon wieder so viel erlebt habe, den nächsten Blogeintrag aber für etwas anderes aufheben möchte, werde ich diesen hier einfach adaptieren. Macht euch gefasst, es wird mal wieder richtig viel erzählt und sehr chaotisch. Und weil das eben alles so detailreich sein wird, dachte ich mir, D wie Dokumentation passt an dieser Stelle vielleicht doch besser. Also, ich erzähle nun von den letzten Ereignissen, natürlich chronologisch nach Datum sortiert! ;) 

24.11.
Also gut, gestern dachte ich, dass morgens für mich echt mal Chillen angesagt wäre, da für Steffi von ca. 8 bis 12 Spanischkurs auf dem Programm stand und ich hatte mich schon gefreut, währenddessen einfach nichts zu machen und rumzuhängen. Ich bin also frühstücken gegangen und hab mich danach ins Wohnzimmer gesetzt. Doch - wie sollte es anders sein - war natürlich mal wieder nichts mit chillen, da eine weitere Schwester mit ihrer kleinen Tochter Rafaela (4) zu Besuch kam und uuuunbedingt mit mir und den Hunden draußen spielen wollte. Also haben wir ungefähr eine halbe Ewigkeit damit zugebracht, im Hof herumzurennen und Stöckchen zu werfen bzw. Fangen zu spielen irgendwann haben wir dann unsere Aktivitäten in den Park vor unserer Haustür verlagert, was mir wirklich den Rest gegeben hat, denn morgens ist es hier meistens noch am wärmsten, zudem hat die Sonne gestern zum Glück sogar mal geschienen, wodurch ich aber super schnell durch das ganze Rumgerenne mega erschöpft, durchgeschwitzt und aufgeheizt war, im Gegensatz zu allen anderen im Haus, die total gefroren haben ( was normalerweise mein Part ist :D) - verkehrte Welt. Zum Glück war Steffis Sprachkurs dann auch endlich mal vorbei und nach ungefähr vier Stunden Spielen mit Rafaelita gabs dann erstmal ein stärkendes Mittagessen - schon wieder arroz aber sin pollo :o !  Nach dem Mittagessen haben wir uns auf zur Arbeit gemacht - mein erster Tag! Dafür mussten wir etwa eine halbe Stunde mit dem Bus richtung Süden fahren, also in die "Armenviertel". Dort angekommen, fand meine erste Begnung mit den Kindern vor der Einrichtung des ACJ statt. Gestern waren drei Mädchen und vier Jungs im Alter von vier bis 14 da. Mein erster Eindruck: die Kinder sind alle total lieb und ruhig aber trotzdem waren sie mir gegenüber gleich sehr aufgeschlossen und so habe ich die erste Stunde damit zugebracht, mit einem kleinen süßen Mädchen Memory zu spielen. Danach haben Steffi und ich uns erbarmt, mit den Jungs draußen im Garten Fußball zu spielen, und wieder mal bewahrheitete sich: Sport ist Mord, denn Steffi und ich kamen total schnell außer Puste und waren total schnell erschöpft, weshalb wir uns ziemlich bald an den Rand gesetzt und zugeschaut haben bzw. uns einen Kitzelwettkampf mit einem Mädchen geliefert haben. Nach zwei Stunden war das ganze dann aber auch schon wieder vorbei und einige Kinder wurden von ihren Eltern abgeholt, andere sind alleine nach Hause gelaufen. Vorher gab es aber noch etwas zu Essen für alle - irgendeine Kugel aus Bananenteig gefüllt mit Käse sowie Fruchtsalat. Allgemein kamen mir die Kinder alle total dankbar und glücklich vor, zu dieser Betreeung gehen zu können, einfach spielen und Kind sein zu können und jemanden zu haben, der sich um sie kümmert. 
Wieder zu Hause angekommen haben wir uns dann einen kleinen Spaziergang mit Pancho gegönnt, um den Barrio ein bisschen kennen zu lernen ( da es schon dunkel war und kaum Leute auf der Straße waren kam mir das Stadtviertel etwas zwielichtiger und gefährlicher vor als tagsüber aber Pancho meinte, dass es hier gar nicht gefährlich ist). 
Später sind wir mit Vito dann noch eine DVD kaufen gegangen, um abends etwas zu tun zu haben. Die DVDs hier sind mega billig ( Piraterie ahoi!), jede kostet einen Dollar! Nach langem Überlegen haben wir uns dafür entschieden, dass wir einen lustigen Film anschauen wollen und unsere Wahl fiel auf Bad Neighbours ( oder hier: buenos vecinos), denn wir uns nach dem Abendessen angesehen haben. Zum Essen gab es abends mal wieder arroz - aber con CARNE! Ich glaube unsere Gastmutter ist krank, denn ein Tag ohne pollo ist hier glaub ich schon nicht normal! 
Heute morgen ist das Wetter ziemlich beschissen, es ist kalt und es regnet und wir machen uns gleich auf den Weg zur Arbeit, diesmal an einer anderen Schwesterstelle des ACJ, mal sehen, wie das heute wird und wie die Kinder dort sind! 

25.11.
Die heutige Arbeitsstelle verschlug Steffi und mich sehr weit in den Süden Quitos ( der Süden ist ärmer als der Norden), nach Camal Metropolitano. Dort hat der ACJ im Gelände einer Schule einen kleinen Raum sowie den Schulhof für seine Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen. Normalerweise betreuen wir in Camal zwei Gruppen, zuerst die älteren und dann jüngere Kinder, heute waren jedoch, aus welchen Gründen auch immer, nur die älteren da, was für uns natürlich bedeutete, nicht so lange dort bleiben zu müssen. Die Gruppe der älteren Kinder in Camal, von denen ich ja jetzt schon einen Eindruck habe, erscheint mir total süß und nett und vor allem ebenfalls sehr ruhig. 
Am Anfang der Betreeungszeit sprach Anita, das Mitglied des ACJ, die für Camal zuständig ist, mit den Kindern über verschiedene Emotionen, u.a. wovor sie Angst haben ( Dunkelheit, dass sie ihre Familie verlieren) und was sie glücklich macht ( dass ihre Mama sie liebt). Danach durften die Kinder draußen spielen. Ich wurde sofort von den Mädchen in ihr Spiel integriert ( sie spielten eine Art Gummibandhüpfen, falls das jemandem was sagt) und sie waren sehr aufgeschlossen, haben mich gleich bei der Hand genommen und umarmt. 
Nach dem Spielen wurden sich die Hände gewaschen, denn es gab einen kleinen Snack ( Schinkenbrötchen mit Maracujasaft), daraufhin mussten die Kinder zum Unterricht und verabschiedeten sich von uns Betreuern ( sogar von mir!) mit einer Umarmung.
Da wir durch das Ausfallen der Nachmittagsgruppe noch Zeit hatten, haben wir Anita danach bei zwei Hausbesuchen begleitet, sie hat zwei Frauen aufgesucht und sie eingeladen, an einem treffen im ACJ mit anderen Müttern teilzunehmen, um ihnen in Sachen Erziehung, Kinderbetreuung usw. zur Seite zu stehen.
Über die Menschen bzw. das Leben in Camal kann man sagen, dass es sich wirklich stark von den weiter im Norden herrschenden Zuständen unterscheidet. Hier wohnt man meist in Steinhütten mit Wellblechdächern, die Leute sind eher arm, haben oft kein fließendes Wasser bzw. Strom zu Hause, es gibt keine befestigten Straßen, der Stadtteil liegt ziemlich weit entlegen weiter oben auf einem Berg, hier ist nicht wie unten im Tal ein Haus an das andere gereiht, sondern zwischen den Häusern ist mehr Platz, mehr Grünfläche, alles scheint "dreckiger" zu sein als im Stadtzentrum, auf der Straße laufen Schweine, Hühner und Hunde frei herum. Außerdem müssen hier die Kinder mitarbeiten, sie helfen zum Beispiel dabei, Ziegelsteine für weitere Hütten zu brennen, leisten also wirklich körperliche Arbeit - dennoch erschien mir die Bevölkerung von Camal ziemlich glücklich und zufrieden zu sein, obwohl sie in unseren Augen einen eher niedrigen Lebensstandard haben.

Nach den Hausbesuchen machen wir uns auf den Weg nach Hause, wo wir mit Essen ( arroz con carne, sopa) empfangen wurden, bevor wir begannen, uns fertig zu machen, denn wir hatten vor, uns mit Vito um 6 im Parque Carolina zum Joggen zu treffen. Unsere Gastmutter meinte eigentlich, es würde zwei Stunden bis zum Park dauern, aber wir waren zu faul uns zu beeilen, haben es dann aber trotzdem einigermaßen pünktlich geschafft, obwohl wir erst um 5 Uhr los gefahren sind. Dort angekommen sind wir eine Runde um den Park gejoggt ( ca. 5km), was trotz der Höhenluft überhaupt nicht anstrengend war, sondern eher mal richtig gut getan hat. Zufrieden sind wir danach nach Hause gefahren, haben uns ( endlich mal mit warmem Wasser, vorher war es immer arschkalt!) geduscht, bevor es zum Abendessen ausnahmsweise mal arroz con Fischstäbchen gab - und außerdem etwas, das sehr stark Milchreis ähnelt, nur, dass anstatt Reis Mais verwendet wird - das ganze nennt sich Morocho, man trinkt es und es schmeckt superlecker! Nach dem Essen haben wir noch kurz fern gesehen und sind dann ins Bett geschlüpft.

26.11.
Für heute war eine große Besprechung im ACJ angekündigt, da dort besondere Gäste erwartet wurden. Bei diesen VIPs handelte es sich um ein Ehepaar aus der Schweiz, die eigentlich aus Norwegen stammen und ein paar Jahre in Deutschland gelebt haben, weshalb sie ziemlich gut deutsch sprechen. Der Mann, Johann, ist deswegen so interessant für den ACJ, da er der Weltweite Vorstand des YMCA ( also ACJ auf Globalisiertensprache) ist. Mit dabei hatte er einen Mann aus Brasilien, der sich als Sekretär des weltweiten YMCAs herausstellte und dank seiner Sprachkünste als Übersetzer ( von Spanisch auf Englisch) für Johann fungierte. Außerdem wichtige Besucherinnen die beiden Vorstände des ACJ Santo Domingo. 
Zuerst wurde bei dieser kleinen Versammlung die Arbeit des ACJ Quito vorgestellt, wobei auch wir als Voluntärinnen ( sagt man das so?) mit einbezogen wurden, dazu wurden Kekse und Saft gereicht ( in Ecuador geht eben nichts ohne Essen!). Nach dieser kleinen Einführung wurde mit den Gästen eine Rundfahrt veranstaltet, wobei der erste Halt der Mercado Mayorista war, ein riesiger Markt, auf dem es fast alles ( vor allem aber Obst und Gemüse) zu kaufen gibt und auf dem sich ebenfalls eine Einrichtung des ACJ, nämlich sogar die größte der 4, befindet. Die Einrichtung auf dem Mercado Mayorista dient dazu, Kinder, die eigentlich auf dem Markt arbeiten müssten, durch die bereits erklärte Arbeit des ACJ davon abzuhalten. 
Nach der Besichtigung dieser Einrichtung haben wir einen Spaziergang über den Mercado gemacht, auf dem wirklich tausend verschiedene Sorten von Früchten und Gemüse zu finden sind, vor allem solche, die man in Deutschland nicht mal vom Aussehen, geschweige denn vom Namen her, kennt. Noch dazu sind diese Dinge auf dem Markt extrem billig, eine der Frauen aus Santo Domingo hat zum Beispiel eine ganze Bananenstaude ( ihr wisst was ich meine) für nur einen Dollar gekauft ( wovon sie natürlich jedem von uns etwas abgegeben hat).
Den zweiten Abstecher machten wir bei einem riesengroßen Kindergarten auf einem Berg, der richtig richtig viele Kleinkinder beherbergt, aber ( glücklicherweise, denn mit so vielen Kindern würde ich glaube ich durchdrehen) nicht zu unserem Arbeitsfeld gehört, jedoch trotzdem irgendwie vom ACJ unterstützt wird. Vom Kindergarten aus ging es dann wieder zurück zum ACJ- Hauptgebäude, wo wir uns alle zusammen zum Mittagessen versammelten, es gab Rindfleisch, Salami, Avocado, Rote Bete und mit Käse gefüllte Kartoffelpuffer sowie Ananassaft - anscheinend ein Gericht, das extra für die Europäer unter uns gewählt wurde, da es mir eher nicht so typisch ecuadorianisch erschien.
Nach dem Essen ging es dann weiter mit Vorstellungen über die Arbeit des ACJ Quito, dann wurde sich von den Besuchern verabschiedet und wir blieben noch etwas im ACJ, um einem der dort involvierten Jugendlichen - Jefferson - dabei zu helfen, für den morgen anstehenden Tag der offenen Tür ein passendes Lied herauszusuchen, das er performen sollte ( er kann nämlich mega gut singen!). 
Abends zu Hause angekommen gab es Suppe mit Linsen, danach - endlich mal wieder! - arroz con pollo!  

27.11.
Wegen des erwähnten Tages der offenen Tür mussten wir heute ziemlich früh aufstehen, nämlich um halb 7, da wir um halb 8 beim ACJ sein sollten. Jedoch war Steffi beim aufwachen leider ziemlich krank, sodass sie zu Hause blieb und ich - zum allerersten Mal!- alleine gehen musste - und das mit meinem Orientierungssinn! Der Weg zur Bushaltestelle fiel mir zum Glück ziemlich leicht ( man muss auch nur einmal links und einmal rechts abbiegen), danach hatte ich jedoch im Bus das Problem, dass der Bus nicht an der Bushaltestelle anhielt, an der ich aussteigen musste ( ich hatte vergessen zu drücken). Zum Glück hat der Busfahrer mich dann einfach an der Straße heraus gelassen, als ich ihn gefragt habe und so habe ich es schließlich und endlich heile zum ACJ geschafft. Dort angekommen war - wie hätte es anders sein sollen - noch fast keine Sau da, nur ich und Efe ( der Jugendkoordinator) sowie drei der Jugendlichen, nämlich Jefferson, Kat und Julio, die gerade dabei waren, eine Präsentation vorzubereiten.
Um mich nützlich zu machen half ich, in der Aula im Keller Stühle aufzustellen und mit Jefferson die Akustik für seinen Auftritt zu checken. 
Als dann endlich die Gäste eintrudelten, stellte ich fest, dass es die gleichen waren, wie im Tag zuvor, bis auf zwei weitere Frauen, die sich als Mitglieder des ACJ Porto Viejo herausstellten. Diesen Gästen also wurde von den Jugendlichen deren Arbeit im ACJ Quito vorgestellt, woraufhin sie dann dem ACJ Quito ihre jeweiligen Arbeitsbereiche vorstellten. Zum Schluss dieser ersten Vorstellungsrunde hielt Johann dann noch eine motivierende Rede, die zu mehr Zusammenarbeit zwischen den einzelnen ACJs aufforderte. 
Danach gab es Mittagessen für alle, jeder bekam einen Berg arroz mit einem viertel pollo, außerdem Salat und Saft, bevor weitere Vorträge im Keller folgten, wobei zunächst Kat und Jefferson eine Präsentation hielten und danach gemeinsam ein Medley aus verschiedenen, ihnen wichtigen Liedern, sangen, wobei sie die Gäste dazu animierten, aufzustehen und mit zu tanzen. Als wir schließlich alle standen lief das berühmte Lied YCMA, zu selbstverständlich jeder die Choreo beherrschte und fleißig mit machte.
Nach dieser sportlichen Höchstleistung wurde dann die ganze Partie mit einem Haufen typischer Snacks versorgt, es gab Schinken am Spieß, Bananenchips, gebrannte Haselnüsse, Kichererbsen- und Bohnenchips,Plätzchen sowie Löffelbiscuits, die man hier anscheinend in Saft eintunkt. 
Nach dieser Schlemmerei kam dann der bittere Abschied, wir haben alle viele Fotos miteinander gemacht und trotz der kurzen Zeit hatte man wirklich das Gefühl, dass die ganzen verschiedenen Mitglieder der unterschiedlichen ACJs zu Freunden geworden waren, deshalb war der Abschied wirklich emotional. 
Als die Besucher gegangen waren blieb ich noch kurz mit den anderen Jugendlichen im ACJ, bis Negro, Kat und Jefferson dann extra einen anderen Bus nahmen, um mich sicher nach Hause - sogar bis vor die Haustür - zu bringen, was wirklich richtig richtig nett von ihnen war ( als wüssten sie, wie schlecht ich mich orienteren kann :D!).
Danach war ich kurz mit Pancho joggen, es gab Abendessen ( arroz con frijoles (Bohnen) und Spiegelei, für Steffi als Medizin gab es dann vor dem Schlafengehen noch heißen Orangensaft mit Honig und Zimt.



28.11.
 Heute haben wir morgens erstmal beim ACJ vorbei geschaut, weil Freitags dort anscheinend immer eine Art Versammlung ist, nur war heute irgendwie ewig niemand dort außer Nixon, der so was wie der Portier bzw. das Mädchen für alles des ACJ ist. Als dann irgendwann endlich der "Chef" Cesar eintrudelte, haben wir ihn gefragt, ob es möglich ist, dass wir die nächste Woche frei bekommen, da wir vor hatten, in eine kleine Stadt weiter richtung Osten ( Mindo) zu fahren und außerdem eine Tour in den Regenwald machen wollten. Zum Glück war das kein Problem und danach haben wir den ACJ verlassen, glücklich, weil das mit unserer Reise klappen sollte und weil mega schönes Wetter war. Als nächstes Stand für uns ein Besuch beim Ausländeramt auf dem Programm, da ich mein Visum bestätigen lassen musste. Zum Glück mussten wir nicht - wie normalerweise üblich bei solchen Behörden - ewig warten, sondern kamen gleich dran und konnten uns dann ziemlich schnell auf den Weg in einen Park machen, um das Wetter zu genießen. Dort angekommen haben wir uns erstmal einen Fruchtsalat gegönnt und uns in die Sonne gelegt. 
Später, auf der Heimfahrt, mussten wir uns dann bei der Hitze in einen völlig überfüllten Bus quetschen, wo wir fast erstickt, erschwitzt, und zerquetscht worden wären.
Daheim angekommen wurden wir mit Essen empfangen, es gab Kartoffel- Bananensuppe und arroz con abondigas ( Fleischbällchen). Danach hieß es für uns dann schon packen, packen, packen, denn wir wollten ja gleich am nächsten Tag nach Mindo fahren und Sonntags dann direkt von dort aus in den Oriente, also den Regenwald. 
Abends haben wir uns zuerst mit Matthias, der frisch aus Galapagos zurückgekehrt war, und Santi getroffen, um gemeinsam essen zu gehen. Da Matthias unbedingt zum Chinesen wollte, stand für uns also mal eher untypisches Essen auf dem Plan, obwohl chinesisch hier fast schon wieder typisch ist, da man eigentlich an jeder Ecke einen Chifa findet.
Später sind wir dann ins Zentrum, besser gesagt zum Plaza Grande gefahren, wo wegen der Fiestas de Quito ( Feiere der Unabhängigkeit Quitos von den Spaniern) ziemlich viel los war, es gab ein Konzert mit viel Tanz, was schön war, da ich so die Gelegenheit hatte, die Kultur noch besser kennen zu lernen.
Nachdem wir einige Zeit beim Konzert zugehört haben, sind wir dann weiter zur "Kneipenstraße" la Ronda gelaufen, wobei es auf dem Weg dort hin noch mehr Konzerte zu sehen gab. An der Ronda angekommen war ich erstmal verblüfft, denn dort ist wirkliche eine Bar bzw. Restaurant an das nächste gereiht, es gibt überall mega viel Essen, außerdem kleine Straßenläden, wo Schmuck verkauft wird und sehr viele Straßenkünstler - wir haben dann zum Beispiel einige Zeit einer Tanzgruppe zugesehen, danach kurz bei einem Straßentheater. Zu unserer Überraschung gab es dann auch noch ein Feuerwerk zu bestaunen, das direkt über der Virgen de Panecillo abgefeuert wurde, was wirklich wunderschön anzusehen war, ebenso wie der Ausblick über die ganze Stadt, die nachts einfach einem riesigen Lichtermeer gleicht. 
Kurz danach haben wir uns dann mit Diego getroffen und uns auf die Such nach einer Bar gemacht, die chocolate con queso ( also heiße Schokolade mit Käse) verkauft, da das hier anscheinend auch ein typisches Getränk ist. Leider haben wir ewig keine Bar gefunden, da entweder keine Schokolade dort angeboten wurde oder dort, wo sie angeboten wurde, kein Platz mehr war. Deswegen haben wir uns dann einfach erstmal in eine andere Bar gesetzt und dort sozusagen den "ecuadorianischen Glühwein" getrunken, nämlich canelazos, eine Mischung aus Zimt, irgendeinem Schnaps, Honig und Orangensaft. 
Später haben wir dann auch nach ewiger Suche endlich eine Bar gefunden, die den gewünschten chocolate con queso anbietet und freie Sitzplätze hatte und zu meinem erstaunen war das Getränk mega lecker! Man bekommt einfach eine große Tasse heiße Schokolade und dazu ein Stück Käse serviert, das man selber in die Schokolade reinbröseln kann, wie man lust hat, das gannze wird dann entweder gelöffelt oder eben getrunken. 
Während wir in dieser Bar saßen, kam irgendwann ein kleiner Junge herein, der Süßigkeiten und Zigaretten verkaufte. Da Diego ihn von seiner gemeinnützigen Arbeit bei der Stadt kannte, hat er ihn aufgefordert, sich zu uns zu setzen und ihm ebenfalls chocolate con queso bestellt. Während er diesen trank, haben wir ihn mit Fragen bombardiert und die Antworten waren wirklich schockierend:
Der kleine Junge ist zehn Jahre alt und geht zur Schule. Seit er fünf Jahre alt ist arbeitet er jeden Freitag und Samstag von 19 Uhr bis drei Uhr nachts auf der Ronda, zusammen mit seiner älteren Schwester, die dort ebenfalls irgendwo herum läuft und Süßigkeiten verkauft. Seine Eltern sind währenddessen zu Hause, seine Mutter ist sehr Krank und sein Vater, der als Lieferant arbeitet, hat sehr schlechte Arbeitszeiten und die Familie hat sehr wenig Geld. Für den kleinen Jungen ist die Arbeit mitten in der Nacht auf so einer überfüllten Straße wie der Ronda natürlich ziemlich gefährlich, zumal er ja die ganze Zeit - und das seit er fünf ist - dort ganz alleine herum läuft.
Irgendwann wurden ihm unsere Fragen dann aber zu viel ( verständlicherweise) und er ist leider gegangen, ohne seine Schokolade auszutrinken. 
Allgemein sollte man von solchen Kindern nichts kaufen, denn man hilft ihnen damit nicht, sondern unterstützt nur die Kinderarbeit.
Nach diesem Geschehnis ist uns allen dann ziemlich die gute Laune vergangen und da wir morgen sowieso früh ( 6:00 Uhr) aufstehen mussten, und es schon ziemlich spät war ( 02:00 Uhr) haben wir uns ein Taxi genommen und sind nach Hause gefahren. 

29.11.
Wie gesagt mussten wir heute um sechs Uhr aufstehen, haben uns dann schnell auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht, wo ewig kein Bus gekommen ist, weshalb wir erst ziemlich knapp an der Haltestelle La Marín ankamen, wo wir uns mit Santi und Matthias verabredet hatten. Von dort aus sind wir dann zum großen Busbahnhof Quitumbe gefahren, um einen Bus nach Mindo zu nehmen. In Mindo angekommen, war ich erstmal angenehm überrascht, denn Mindo ist eine kleine Stadt, die mitten in der Natur ( Regenwaldfeeling!) liegt und wo es tausende verschiedene Pflanzen und Tiere zu bestaunen gibt - vor allem für seine unzähligen verschiedenen Kolibri Arten ist die Stadt bekannt. 
Unser Hostel glich einer Holzhütte im Dschungel, wie man sie aus Filmen oder von Fotos kennt, wobei wir in einem Gemeinschaftszimmer, das halb im Freien lag, untergebracht wurden. Das Besondere an unserem Hostel war außerdem, dass es direkt am Wald liegt und man hier buchstäblich mit den Kolibris frühstücken kann, denn die Terasse, bzw. das Esszimmer, grenzt direkt an Kolibri- Futterstellen, die nur ca. 2 Meter vom Speisenden entfernt aufgestellt sind. Eine Nacht in dieser Unterkunft sowie Frühstück hat uns gerade mal 12 Dollar gekostet.
Nachdem wir uns dort eingerichtet haben, gings erstmal völlig ausgehungert zum Mittagessen in ein Restaurant, danach machten wir uns auf die Suche nach einem billigen der dort unzähligen Touristenbüros, die verschiedene Aktionen in der Natur anbieten. Ziemlich schnell waren dann unsere Ausflüge gebucht, für den heutigen Tag standen Canyoning und Tubing auf dem Programm. Es ging dann auch direkt los mit der ersten Aktion, wir wurden mit einem Pick-up weiter in die Berge gefahren, um dann noch ca. 7 Minuten einen der Berge hinaufzusteigen und an einer Plattform anzukommen, die direkt über einem 40 Meter hohen Wasserfall liegt und wo bereits Kletterseile angebracht waren. Leider war es zu dieser Tageszeit schon nicht mehr so sonnig und warm wie am Morgen, weswegen mir leider etwas die Lust auf das Folgende vergangen war :D. Denn jetzt hieß es, gesichert mit den Kletterseilen und ausgerüstet mit Helm und Handschuhen, den Wasserfall hinabzusteigen, während man von dem herabfließenden Wasser von oben bis unten schön durchnässt wurde. Um die ganze Sache möglichst schnell hinter mich zu bringen, meldete ich mich freiwillig als erste. Anfangs, als ich mich noch nicht direkt unter dem Wasserfall befand, schien alles gar kein Problem, aber sobald ich richtig schön mit dem arschkalten Wasser abgeduscht wurde, fing ich an zu schreien wie am Spieß und beeilte mich, schnell nach unten zu kommen. Das mit dem als erste gehen stellte sich leider als Fehler heraus, denn so musste ich, unten angekommen, klitschnass eingenässt und extrem frierend warten, bis die anderen drei ebenfalls unten angekommen waren. Während das Wetter immer schlechter wurde und ich beinahe erfor, bahnte sich schon die nächste Tortur an, nämlich das Tubing. Wir wurden also wieder mit dem Pick- up zu einem Fluss gefahren, wo wir bereits von dem dortigen Guide mit Schwimmwesten erwartet wurden. Schon während ich diese anzog, hätte ich heulen können bei dem Gedanken daran, welche eisig kalte Qual mich gleich erwarten würde. 
Dann ging es auch schon ab ins Wasser, bzw. musste sich jeder von uns auf einen von 7 aneinander gebundenen Reifen setzen. Als ich den Guide fragte, wie lange das ganze dauern sollte, meinte er, 15 Minuten, was mir schon viel zu viel erschien, bis er dann sagte, das wäre ein Witz gewesen, denn eigentlich seien es 30 Minuten dieses Höllenritts. Na super! Ich setzte mich also auf den Reifen, klammerte mich fest, während mein Hintern halb im arschkalten Wasser hing. Zum Glück führt der Fluss zu dieser Jahreszeit nicht so viel Wasser, denn sonst wäre ich wahrscheinlich noch viel nasser geworden, als es letztendlich der Fall war. Wir fuhren mit den Reifen also Flussabwärts, sprangen über viele im Wasser liegende Felsen und während einige der anderen echt richtig viel Wasser abbekamen, habe ich es zum Glück irgendwie geschafft, nicht allzu nass zu werden und so verging die halbe Stunde schneller als gedacht und das ganze hat sogar ein bisschen Spaß gemacht ;) 
Danach wurden wir vom Pick- up zurück zu unserem Hostel gefahren, um uns dort abzuduschen ( da wir vom Tubing wirklich in jeder Ritze Steine hatten :D ! ) und uns dann endlich etwas trockenes anziehen zu können. 
Zum Mittagessen gingen wir dann in ein sehr interessantes kleines Café, das ausschließlich vegetarische, sowie auch einige vegane Speisen anbietet - also endlich mal keine Chance für arroz con pollo! Stattdessen gab es selbstgemachtes Vollkornbrot mit veganem Nutella aus Avocados, Haferbrei, veganen Schokokuchen aus Avocado und vegetarische Sandwiches. Das Café wird betrieben von einer Franzosin und einem Italiener, die seit einem Jahr in dem zum Café gehörigen kleinen Haus am Fluss in Mindo wohnen, dessen Küche halb im Freien liegt. Das interessante an dem Café ist außerdem, dass es nur einen überdachten Tisch im Garten mit vielen Bänken außenherum gibt, den sich alle Gäste miteinander Teilen - wir haben an diesem Tag dort dadurch zum Beispiel eine Frau aus Brasilien kennen gelernt. Durch die vielen Kissen und allgemein das ganze Ambiente fühlt man sich dort total wohl und durch die freundliche Bedienung des Paares auch sofort wie zu Hause, sodass wir den ganzen Nachmittag dort verbrachten.
Abends sind wir dann außerhalb der Stadt im "Wald" spazieren gegangen und vor allem nachdem es dunkel geworden war konnte man unzählige Frösche, Grillen und Vögel hören und total viele Glühwürmchen sehen. Wieder in der Stadt angekommen wollten wir dann eigentlich einen Zirkus besuchen, hatten dann aber keine Lust zu warten, bis er aufmacht, deshalb haben wir uns in eine kleine Bar gesetzt, die ebenfalls von Ausländern geführt wird und mal ganz anderes Essen anbietet ( z.B. Veggie-Burger und Falaffelteller) als hier normalerweise üblich - es gab sogar selbst gebrautes Bier!  Allgemein ist Mindo eine Stadt, die hauptsächlich vom Tourismus lebt und in der sehr viele Kulturen aufeinander Treffen, was eine tolle Abwechslung zu "immer nur ecuadorianisch" darstellt.
Da der ganze Tag ziemlich anstrengend und aufregend war, bin ich recht früh ins Bett gegangen, wo tausende Moskitos und Insekten schon auf mich warteten ( ich hatte aber zum Glück ein Moskitonetz und war eh zu müde, um mich davon stören zu lassen).

30.11.
Heute ging der Tag für uns erstmal damit los, die Besonderheit unseres Hostels Auszunutzen, nämlich, wie schon erzählt, mit dem Kolibri - Frühstück. Danach ging es direkt weiter mit dem Pick-up zu der dritten Aktivität, die wir gebucht hatten - das Canopying. Für diejenigen, die sich darunter nichts vorstellen können - so wie ich vorher - Canopying besteht daraus, an einem Seil gesichert von einer Plattform zur anderen über Schluchten bzw. Täler zu schwingen. Für uns bedeutete das, über regenwaldartige Natur und palmenbewachsene Hügel zu schwingen, dabei konnte man mithilfe von den Guides sogar Kopfüber schwingen oder richtig durch die Luft fliegen wie Superman. Das war echt super aufregend und hat total Spaß gemacht - endlich mal was ohne Wasser und Kälte :D!
Zum Mittagessen waren wir dann erst in einem Restaurant, das von einer Schweizerin und einer Deutschen geführt wird und sogar deutsches Brot anbietet, was hier sehr gefragt ist, da es sonst überall nur super labberiges Weißbrot gibt. Später hat es uns dann wieder in unser geliebtes Café verschlagen, wo heute Pizza angeboten wurde, die der italienische Besitzer im eigenen Steinofen frisch zubereitet hatte und wo wir schließlich wieder unseren ganzen Nachmittag verbrachten.
Um 17 Uhr ging dann unser Bus zurück nach Quito, von wo aus wir einen Nachtbus weiter Richtung Río Coca nahmen, also in Richtung Regenwald. Die Busfahrt dahin dauerte ca. 7 Stunden und mitten in der Nacht ( ca. 3 Uhr) wurden wir plötzlich alle wegen Polizeikontrolle aus dem Bus geschmissen, ansonsten gab es aber keine Komplikationen - außer natürlich, dass so ewig Bus fahren natürlich nicht sonderlich bequem ist und wir dementsprechend nicht so viel Schlaf abbekommen haben, wie es vielleicht notwendig gewesen wäre. 

1.12
Um ca. 6 Uhr kamen wir endlich in Coca an und wurden sofort mit beschissenem Wetter begrüßt - es schüttete wie aus Strömen und da es noch so früh war, hatte noch kein Café oder sonstiges offen, sodass wir super durchnässt und verfroren durch Stadt geistern mussten und uns dabei schon mal auf die Suche nach einem Touristenbüro machten, das uns eine Tour in den Regenwald verschaffen sollte. Ein paar Stunden und einen Becher Morocho später haben wir dann auch ziemlich schnell ein tolles kleines Touristenbüro gefunden, das eine drei Tagestour in den Wald anbietet. Geleitet wird es von einer Quichua- Familie ( so nennt man die indigene Bevölkerung in Ecuador) - das witzige ist, dass die Frau des Sohnes der Familie Deutsche ist, die sich bei eben solch einer Tour in den Guide verliebt hat. Jedenfalls gefiel uns sowohl das Angebot als auch die Freundlichkeit diese sogenannten Touristenbüros "Witoto-Tours" auf Anhieb, sodass wir sofort zusagten, bezahlten und mit Gummistiefeln ausgestattet um ein Uhr Nachmittags in ein vollbeladenes Kanu am Fluss stiegen - zusammen mit den Geschwistern Susanna und Fredy, die für die nächsten drei Tage mit uns zusammen leben und unsere Guides darstellen sollten. 
Die Fahrt tiefer in den Urwald hinein auf dem Fluss, der ein Ausläufer des Amazonas ist und unter anderem sogar Delfine und Piranhas beherbergt, dauerte ungefähr zweieinhalb Stunden. Während der Fahrt bekamen wir einen Einblick in die Quichua Kultur, denn unter anderem versuchte Susanna uns die gleichnamige Sprache beizubringen und gab uns außerdem typisches Essen zum probieren, nämlich gekochtes Yuca ( irgendeine Wurzel, die wie eine Mischung aus Kohlrabi und Kartoffel schmeckt) und Fisch aus dem Fluss, eingewickelt in ein Blatt und ohne Besteck, denn das ganze isst man traditionellerweise mit den Händen. 
Schon während der Fahrt haben wir richtig viele exotische Vögel und natürlich Pflanzen gesehen und außerdem riesige Schmetterlinge in allen möglichen Farben -  zum Beispiel orange oder gelb aber auch ein total krasses strahlendes blau. 
Unser Camp im Urwald bestand aus einer Lichtung nah am Fluss, auf der 4 Hütten stehen - zwei mehr oder weniger fertige und zwei, die noch in Arbeit sind. Eine der fertigen Hütten ist eine Art Gemeinschaftshaus - dort befinden sich zwei Klos sowie eine Küche und ein Esszimmer, die halb im freien gelegen sind. Die andere fertige Hütte besteht aus zwei Schlafzimmern mit jeweils eigenem Bad und Terrasse - die Zimmer sind zwar eigentlich geschlossene Räume, da das ganze aber auch irgendwie noch nicht ganz fertig ist, gibt es dort weder Strom noch Mobiliar, weswegen mitten im Raum einfach ein Zelt aufgebaut wurde, in dem wir schlafen sollten. 
Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten und unseren dritten Guide im Bunde kennen gelernt hatten ( ein alter Mann, der mega cool und süß war, dessen Namen ich mir aber leider nicht merken konnte), ging es dann wieder zurück ins Kanu und auf zum Angeln, denn zum Abendessen war Fisch geplant. Auf dem Weg zur Angelstelle haben wir wieder unzählige Vögel und sogar eine Horde Wasserschildkröten gesehen, die sich auf Felsen am Ufer gesonnt haben. 
Unsere Angeln bestanden aus einem Bambusstock, an den eine Nylonschnur mit Haken gebunden war, als Köder gab es schönes, deftiges, rohes Fleisch. Während Fredy und Susanna relativ schnell drei Fische aus dem Wasser zogen ( ein Piranha, ein Katzenfisch und noch irgendwas anderes) stellten wir uns eher weniger geschickt an. So wurde an meinen Ködern zwar immer wie wild geknabbert, aber immer, wenn ich dann mega aufgeregt meine Angel aus dem Wasser zog, war kein Fisch zu sehen, stattdessen war die Hälfte meines Köders weg. Aber es kommt noch besser, denn anscheinend hatte ich einige Male echt ein paar dicke Dinger an der Angel, hab dann mit aller Kraft versucht, die Teile aus dem Wasser zu bekommen, wie wild an der Angel gezogen und es so gleich zwei mal geschafft, meinen jeweilige Bambusangel zu zerbrechen, sodass Fredy mir am Ende nur noch die bloße Nylonschnur zum Angeln gegeben hat. 
Als nach einer gefühlten Ewigkeit immer noch kein Fisch bei einem von uns Touris angebissen hatte, beschlossen wir, uns auf den Rückweg zu machen, da es mittlerweile auch schon dunkel geworden war. Auf dem Weg zurück zum Camp haben wir dann viele Fledermäuse gesehen und außerdem ein Alligatorbaby, das am Flussufer saß. 
Im Camp angekommen begann Susanna dann, aus den geangelten Fischen Suppe zuzubereiten ( ich bekam den Piranhakopf!) - das ganze bei Kerzenschein, denn es gab dort ja keinen Strom. Zu unserer riesigen Überraschung gab es - ganz dem Urwald entsprechend - zur Suppe dann sogar noch etwas ganz exotisches. Kann einer von euch erraten was es war? Natürlich nicht, viel zu ausergewöhnlich, deswegen verrate ich es euch. Es gab arroz con pollo. 

2.12.
Am nächsten Morgen also wurden wir um 7 Uhr von Fredy geweckt, denn es stand eine Urwaldwanderung auf dem Programm. Ich sollte jedoch erst einmal mit einer ganz anderen Überraschung erwachen. Hatte ich schon erwähnt, dass es im Regenwald unzählige Insekten und natürlich dementsprechend auch unzählige Moskitos gibt? Nein? Hättet ihr euch aber ja auch eigentlich denken können. Und hatte ich schon erwähnt, dass ich allergisch auf Insektenstiche reagiere? Nein? Hättet ihr euch aber ja auch eigentlich denken können. Na gut, hättet ihr nicht, ist aber so, jetzt wisst ihr es. Und mit meinem unglaublichen Glück ist mir etwas passiert, dass mir das letzte mal vor was weiß ich wie vielen Jahren passiert ist. Früher als Kind hatte ich oft das Problem, dass, wenn mich eine Schnake auch nur in die Nähe meines Auges gestochen hatte ( und mit Nähe meine ich Stirn, Backe, was auch immer), das Auge extrem zugeschwollen ist, so wie von Quasimodo, sodass ich einen Tag mindestens aussah wie ein Monster und das Auge dementsprechend auch nicht öffnen konnte. Nun gut, und wie es der Zufall so wollte, hatte mich anscheinend am vorigen Abend eine verdammte Regenwald-Schnake mit ihrem exotischen Regenwald-Gift in mein Gesicht gestochen, sodass an diesem Morgen mein linkes Auge SO extrem zugeschwollen war, wie noch niemals zuvor! Vor dem Frühstück wurde ich deshalb erstmal von Susanna und dem alten Mann versorgt - leider keine exotische Regenwaldmedizin, sondern nur heißes Wasser wurden auf mein Auge getupft, das ganze brachte aber natürlich nichts. Danach wurde mir das Auge zugeklebt, sodass ich aussah wie ein Pirat für Arme, damit sich später bei der Wanderung nicht noch mehr Insekten daran vergriffen. 
Um 8 Uhr ging es dann, ausgestattet mit langer Kleidung ( wegen der Insekten) und Autan sowie Kopfbedeckung ( wegen herabfallendem Dreck und Insekten) sowie Gummistiefeln ( ebenfalls wegen der Insekten und anderer Tiere) ab ins Kanu und auf den Fluss, um eine viertel Stunde entfernt vom Camp wieder ans Ufer zu gehen. Bevor es tief in den Urwald hinein ging, wurden wir zunächst von Fredy, ganz nach traditioneller Quichua- Art, mit Gesichtsbemalung ausgestatt - die rote Farbe hierfür stammte aus einer Frucht, die er vorher irgendwo gepflückt hatte. Das ganze diente dazu, unsere Zugehörigkeit dem Dschungel gegenüber auszudrücken und die Tiere nicht aggressiv zu machen. 
Daraufhin ging es dann auch schon los, der alte Mann ging mit seiner Machete voran, um uns den Weg frei zu schlagen, danach folgten wir Touris und Fredy machte das Schlusslicht. Dank der "Augenklappe" und der Cap, die ich aufhatte, war das ganze für mich eher eine Dschungelstolperung als eine Dschungelwanderung, ich riss mir die Hose auf und blieb an vielen Lianen hängen bzw. stieß mir einige Male irgendwo den Kopf ( sagt jetzt nichts, wehe einer lacht!). Trotz allem habe ich doch einiges mitbekommen. So hat der alte Mann uns zum Beispiel tausende Pflanzen vorgestellt, die für irgendwas nützlich sind, zum Beispiel das Viagra des Dschungels, Lianen als Gegengift, ein Baumstamm mit Nadeln als Reibe, eine Pflanze, die wie ein Anästhetikum wirkt und, und, und.  Außerdem haben wir auf dem Boden Überbleibsel von indigenen Kochutensilien aus Lehm gefunden.
Zudem gab es auch einige Tiere zu sehen, so z.B. riesige Tausendfüßler ( 15cm lang), Papageie, andere Vogelarten, Affen, Schmetterlinge und giftige Ameisen, deren Biss einem mindestens 12 Stunden andauernde Schmerzen bereitet ( ich wurde auch von einer Ameise gebissen, glücklicherweise nicht von so einer). Außerdem sind wir durch Sumpfgebiete gewatet, in denen man echt aufpassen musste, nicht im Morast zu versinken, haben Spuren von Ameisenbären und Tapiren gesehen und sogar selbst Ameisen direkt aus einem Baum herausgeschleckt und gegessen ( sie schmeckten nach Zitrone und es bitzelte beim Essen etwas auf der Zunge). Zudem haben wir einen riesigen 500 Jahre alten Baum bestaunen können, dessen Umfang so groß ist, dass ( laut dem alten Mann) nicht mal 20 Mensch, die sich an der Hand nehmen, ausreichen, um einmal um den Baum herumzufassen, und dessen Höhe 40 Meter beträgt. 
Nach 5 Stunden pausenlosem Wandern durch den Regenwald kamen wir dann endlich komplett ausgehungert und halb verdurstet zurück am Camp an, wo Susanna zum Glück schon mit dem Mittagessen auf uns wartete. Danach gönnten wir uns erstmal eine Dusche, denn wir waren alle total durchgeschwitzt ( im Wald ist es zwar sonnengeschützt, aber trotzdem extrem schwül) und außerdem voller Schlamm, nicht zu vergessen waren wir alle - trotz Autan und langer Kleidung - komplett zerstochen. 
Nach einer zweistündigen Pause, in der mir ein Stück rohes Fleisch auf mein Auge geklatscht wurde, um die Schwellung zu lindern, hieß es für uns dann schon wieder auf zur nächsten Tour - diesmal zur Lagune Limoncoche, die bekannt für ihre Kaimane und Alligatoren ist. Um dort hin zu gelangen, hieß es für uns erstmal wieder Kanu fahren, bis wir irgendwann an Land gingen, wo ein Bus auf uns wartete, der uns in eine kleine Gemeinde (dort sah ich übrigens ein Kleinkind im Garten mit einer Machete spielen) brachte, wo sich die Lagune befindet. Dort angekommen gings dann wieder ins nächste Kanu, das von zwei Jungs gesteuert wurde. Die Lagune unterscheidet sich vom Fluss eigentlich nur in der Tatsache, dass sie eben ein See ist und das Wasser nicht fließt, wer sich da etwas spektakuläreres vorgestellt hat, den muss ich enttäuschen - sie ist aber so schon spektakulär genug. Auch dort sahen wir, als es noch hell war, unzählige verschiedene Vogelarten und auch ganz viele Totenkopfäffchen. Als es dunkel wurde, wurde es dann spannender, denn in der Dunkelheit kommen die Kaimane und Alligatoren aus ihren Löchern gekrochen. Um diese in dem riesigen See aufzuspüren, muss man nur mit einer Taschenlampe über das Wasser ( am besten nah am Ufer) leuchten, denn die Augen dieser Reptilien reflektieren das Licht, sodass, falls man eines gefunden hat, einen auf einmal zwei leuchtende rote Kreise aus der Dunkelheit heraus anstarren. Wir hatten enormes Glück, denn anstatt stundenlang über den See zu fahren und zu suchen, hatten wir gleich nach Anbruch der Dunkelheit einen Kaiman entdeckt - sogar einen ziemlich großen, denn laut dem alten Mann ( und der kennt sich aus) maß dieser Kaiman mindestens um die 3 Meter. Wir waren sogar in der Lage, uns dem Reptil sehr stark zu nähern, am Ende waren wir so nah, dass uns nicht einmal mehr anderthalb Meter von ihm trennten. Zum Glück blieb das Tier ruhig ( denn eigentlich ist das ganze ja echt gefährlich, deshalb durfte man sich auch auf keinem Fall dem Rand des Kanus nähern), sodass wir genug Zeit hatten, es anzusehen und sogar Fotos zu machen, bis es letztendlich genug hatte und untertauchte. Danach fuhren wir weiter über den See, wobei wir mit den Taschenlampen umher leuchteten und aus jeder Ecke blitzten uns auf einmal diese leuchtend roten Augen entgegen - was ziemlich gruselig sein kann. Wir fuhren jedoch nicht über den ganzen See, da es weiter hinten immer gefährlicher wird, sodass sich dort nicht einmal die Guides hin trauen, da es dort noch größere Kaimane und sogar Boas und Anacondas gibt.
Ziemlich bald machten wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg und da es von einem Ende der Lagune zum anderen etwas dauerte, begannen wir, uns mit Susanna zu unterhalten, die eigentlich dafür zuständig war, dem Kanu den weg über die  Lagune zu leuchten, bzw. auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen. Da sie aber abgelenkt war, ging sie ihrer Aufgabe nicht nach, weshalb auf einmal, plötzlich und völlig aus dem nichts ein Fischerboot direkt vor der Nase unseres motorbetriebenen Kanus auftauchte, sodass keine Zeit zu bremsen oder auszuweichen war und wir volle Kanne in das Kanu des Fischers hineinbretterten, sodass es sich überschlug und den Insassen ins Wasser katapultierte. Mega erschrocken drehten wir natürlich sofort um, um ihm zu Hilfe zu eilen, sein Boot umzudrehen und ihm dort wieder hinein zu helfen, vor allem weil das ganze ja nicht ungefährlich war, da der ärmste mitten in der Dunkelheit plötzlich im Wasser hing - mit unzähligen riesigen Kaimanen und Alligatoren zusammen! Zum Glück konnte ihm schnell geholfen werden und wir erholten uns relativ bald auch schon wieder von dem Schock. Später erfuhren wir, dass der Gute auch nicht ganz unschuldig an dem Aufprall war, denn eigentlich ist das Fischen erstens nur den Einheimischen - und nur zum Eigenverzehr - gestattet und zweitens ist das Fischen nachts nur am Ufer erlaubt und nicht mitten auf dem See. 
Erschöpft kamen wir an diesem Abend im Camp an, aßen zu Abend, während wir mit einigen Gruselgeschichten beglückt wurden und begaben uns dann relativ bald in unsere Hütte, wo ein riesiger giftgrüner Salamander ( ca. 30 cm) es sich an der Zimmerwand bequem gemacht hatte - das ist der Dschungel wie er leibt und lebt! Nichtsdestotrotz schmiss ich mich ins Bett und schlief - dank der Gruselgeschichten zwar nicht wie ein Stein, aber ich schlief. 

3.12.
Dieser Morgen begann für uns noch früher als der vorherige, wir wurden nämlich schon um 5:15 geweckt, denn heute sollte es zu einem Aussichtsturm im Dschungel gehen,um Vögel zu beobachten. Gestärkt mit einem außergewöhnlicheren Frühstück ( es gab Pancakes) machten wir uns mit dem Kanu auf den weg, um nach einer halben Stunde am Aussichtsturm, der ca. 40 Meter hoch ist, anzukommen. Von dort oben aus kann man über den ganzen Dschungel schauen, der - bis auf die Himmelsrichtung, in der der Fluss liegt, bis zum Horizont hin kein Ende nimmt, das ganze gleicht wirklich einem Meer aus Wald, Wald und nochmal Wald. Außerdem konnte man so weit oben unzählige Vogelnester sehen - außerdem gesehen haben wir Loros, Tucane, Schmetterlinge und gehört ( aber leider nicht gesehen) haben wir Affen.
Auf dem Weg zurück zum Kanu haben wir dann noch einen riesigen Wurm gefunden ( bestimmt 40 cm lang), der super schleimig war und an manchen Stellen haarige Beine wie eine Spinne hatte - ich konnte mir es trotzdem nicht nehmen lassen, ihn auf die Hand zu nehmen. 
Weiter ging es dann für uns mit dem Kanu zu einem indigenen Dorf mitten im Dschungel, wo hauptsächlich Frauen wohnen, die für Touristen ihr Leben dort in drei Stationen vorstellen. Die erste Station bestand daraus, uns einen typischen einheimischen Tanz vorzuführen, der von verschiedenen Instrumenten ( Trommerl bespannt mit Affenhaut, leerer Schildkrötenpanzer) und Gesang begleitet wurde und bei dem wir am Schluss sogar mittanzen sollten.
Bei der zweiten Station wurden uns verschiedene traditionelle Kochutensilien und typisches Essen vorgestellt, wir durften sogar einen typischen Tee und ein Getränk aus fermentiertem Yuca probieren, das so ähnlich wie Ziegenkäse schmeckte. Außerdem wurden uns verschiedene Waffen der Eingeborenen vorgestellt, mit denen Tiere gejagt werden. 
Die dritte Station bestand dann aus einem kleinen Laden, in dem die indigenen Frauen selbstgemachten Schmuck, Taschen, Kochutensilien und tradtionelle Kleidung verkauften, um das Dorf weiterhin zu finanzieren. Ich habe mir dort ein Armband gekauft.
Nach dem Besuch bei den Eingeborenen ging es für uns dann zurück ins Camp, das wir, nach duschen und Mittagessen auch schon leider verlassen mussten, denn unsere drei Tage waren vorbei. 
Auf der Bootsfahrt nach Hause ging uns dann plötzlich der Tank aus, und obwohl viele der wichtigen Ölbohranlagen Ecuadors genau am Ufer dieses Flusses liegen, mussten wir warten, bis Fredys Vater uns von zu Hause mit Öl zur Hilfe eilte. Während der Wartezeit hielten wir an einer Sandbank, wo wir kurz ausstiegen und das schöne, sonnige Wetter noch einmal genossen, bevor es zurück ins kalte Quito gehen sollte. 
Als wir dann endlich in zurück in Coca ankamen, wartete der Rest der Familie schon in der Hütte des Touristenbüros auf uns. Wir wurden von der Mutter der Familie und einer anderen Schwester dann sogar damit überrascht, dass sie unsere dreckige Wäsche, die wir aus Mindo mitgebracht hatten, bei sich zu Hause gewaschen und zum trocknen aufgehängt hatten, außerdem bekamen Steffi und ich von den beiden sogar nochmals indigenen, selbstgemachten Schmuck geschenkt. 
Um unsere Klamotten abzuholen, fuhren wir dann noch ein letztes mal mit dem Kanu über den Fluss zum Haus der Familie, das direkt am Ufer gelegen ist und eher eine ziemlich provisorisch zusammengezimmerte Holzuhütte als ein wirkliches Haus ist. Trotzdem scheint die Familie damit total glücklich zu sein und es scheint ihr gut zu gehen - da sieht man mal wieder, Besitz ist nicht alles. 
Da das Haus ziemlich weit entfernt vom Busbahnhof im eher ärmeren Teil der Stadt liegt, bestellte die Mutter uns dann ein Taxi. Dieses Taxi war ein Pick- up Truck und da es in diesem Stadtteil anscheinend etwas krimineller zugeht, sollte sich jemand hinten auf die Ladefläche zu den Koffern setzen, um auf sie aufzupassen - das erledigte ich. Während der Fahrt bekam ich dadurch ziemlich gut noch ein paar Eindrücke vom Leben in diesem Teil der Stadt - dort gibt es - anders als im Zentrum - keine befestigten Straßen und fast jeder dort lebt in irgendwelchen schäbig zusammengezimmerten Hütten - alles in allem schienen die Menschen dort ziemlich arm zu sein. 
Am Busterminal angekommen hatten wir dann noch 2 Stunden Zeit, bis unser Bus zurück nach Quito fuhr, deshalb gönnten wir uns noch arroz con pollo zum Abendessen, bis wir uns schließlich um 21:15 Uhr auf den Heimweg machten. Am nächsten morgen kamen wir um 5 Uhr zu Hause an, schmissen uns verfroren sofort wieder ins Bett und schliefen bis um halb 12 - das hatten wir uns nach der langen, aufregenden und anstrengenden Reise auch verdient.

So, dieser Eintrag ist nun wirklich meeeega lang geworden, aber ich wollte euch unbedingt bis ins kleinste Detail an meinen Erlebnissen in der letzten Zeit teilhaben lassen, da das ganze für mich momentan ja noch sehr neu ist und ich - meiner Meinung nach - in dieser kurzen Zeit, in der ich jetzt hier bin schon ziemlich viele aufregende Dinge erlebt habe. Ich hoffe, dass die Einträge in nächster Zeit nicht mehr so lang werden, denn ich will ja auch niemanden überfordern oder gar langweilen! Ich glaube aber, dass ich in nächster Zeit auch nicht soooo viel außergewöhnliches zu erzählen haben werde, da für mich hier jetzt hoffentlich erstmal der Alltag einkehrt! 
Ich freue mich sehr, falls ihr nicht vor der Länge dieses Eintrags zurückgeschreckt seid und ihn bis zum Ende durchgelesen habt! Dann verdient ihr echt einen Klaps auf die Schulter! 
Wie immer hoffe ich, dass es euch allen gut geht. Passt auf euch auf und vergesst nicht, ab und zu hier vorbeizuschauen :)!  


im Pick-up auf dem Weg zum Wasserfall







jaa man sieht, ich hatte richtig Lust auf das Ganze :D
auf dem Weg zum Wasserfall
unser Guides Susana und Fredy :)

der Abstieg - da gings mir noch gut ohne das ganze Wasser :D
im Kanu auf dem Weg zum Camp


"in" dem 500 Jahre alten Baum
ich & mein Batzen rohes Fleisch (Y)

der riesige Kaiman

Limonchoche bei Sonnenuntergang

auf dem Aussichtsturm