Samstag, 7. Februar 2015

K wie Kofferkontrolle





Am achten Januar ging also meine Reise nach Galapagos los. Mein Flug startete um 11:30 Uhr in Quito, was für mich bedeutete, dass ich schon um fünf Uhr früh aufstehen und um 6:15 das Haus verlassen musste. Pancho brachte mich zum Busterminal Quitumbe, von wo aus ich für zwei Dollar einen Bus zum Flughafen nahm.
Um ungefähr 8:30 Uhr kam ich ebendort an, ich hatte also noch drei Stunden Zeit, bis mein Flug starten sollte... Ich gab also erstmal mein Gepäck ab, das für Galapagos durch eine extra Kontrolle musste, da man nach Galapagos nichts organisches einführen darf, da in der Vergangenheit vor allem auswärtiges Obst und Gemüse das galapagenische Ökosystem durcheinenader gebracht hatten. Die restliche Zeit verbrachte ich dann mit essen :D. 
Nach gefühlten Jahren saß ich dann endlich im Flieger und nach etwa zweieinhalb Stunden und einem Zwischenstopp in Guayaquil kamen wir in Baltra an, einer Insel, die einer Wüste gleicht und auf der es außer dem Flughafen und einem Militärstützpunkt keine Zivilisation gibt. Aus dem Flugzeug ausgestiegen, mussten dann erstmal alle Passagiere ein Visum kaufen. Dabei gibt es den Preis betreffend große Unterschiede - während die Einheimischen ( also Ecuadorianer) nur zehn Dollar für ihr Visum zahlen müssen, mussten Ausländer - so wie ich einer bin - direkt mal 100 Dollar hinblättern, um die Inseln betreten zu dürfen. 
Die nächste Bürde war das Abholen des Gepäcks, denn bevor wir uns unser Gepäck schnappen durften, musste erstmal ein Hund über alle Koffer trampeln und sie ordentlich beschnüffeln, um sicherzustellen, dass auch niemand unerwünschte Substanzen hinübergeschmuggelt hatte. Nachdem dies geschafft war, musste man noch einen Zettel ausfüllen, durch den man bestätigte, keine auswärtigen Lebensmittel und so weiter in seinem Gepäck zu haben, bei einem Sicherheitsbeauftragten abgeben, der in diesem Zuge das Gepäckstück, das bis zu diesem Zeitpunkt mit Kabelbindern verschlossen war, wieder zugänglich machte. Es ging nun also mitsamt Gepäck zu einem Shuttelbus, der alle Passagiere zum Hafen von Baltra brachte. Von dort aus ging es mit dem Boot zur Anlegestelle der Insel Santa Cruz und von dort aus mit einem weiteren Shuttelbus nach Puerto Ayora, der Hauptstadt Santa Cruz' , die am anderen Ende der Insel liegt. Dort checkte ich dann erstmal in meinem Hotel ein, das ich vorher gebucht hatte, legte meine Sachen ab und machte mich auf, die Stadt zu erkunden. Es war vor allem schön, endlich mal wieder am Meer zu sein, vor allem, da das Meer in Galapagos eine unglaublich schöne Farbe hat - das schönste türkis-blau, das ich je gesehen habe! Da es nach der ganzen Reise schon zu spät für weitere Aktivitäten und ich ziemlich müde war, begab ich mich dann ziemlich bald ins Bett, um mich für den nächsten Tag auszuruhen. 



J wie Jugendtraum


Hallo meine Lieben!
Seit ich irgendwann als Kind einmal im Fernsehen auf "arte" oder so eine Dokumentation über die Galapagos- Inseln gesehen habe, war es immer mein Traum gewesen, dort eines Tages mal hin zu reisen. Und nun war ich diesem Traum so nah wie nie, da Galapagos ja zu Ecuador gehört. Deshalb war es für mich ja schon eigentlich Pflicht, mir meinen Jugendtraum endlich zu erfüllen und nach Galapagos zu reisen. Deshalb suchte ich, am Montag, nachdem wir aus Sigchos zurück gekommen waren, ein Reisebüro hier in Quito auf, um mich darüber zu informieren, wie das mit der Reise nach Galapagos denn so läuft, da ich von vielen gehört hatte, es wäre schwierig, in die Inseln einzureisen, unter anderem, weil man ein extra Visum dafür benötigt. 
Die Dame im Reisebüro bot mir dann eine neuntägige Schiffstour an, auf der man von Insel zu Insel fährt, dort von Board geht und die jeweilige Insel besichtigt und auch Schnorcheltouren macht, jedoch auf dem Schiff schläft und dort auch Verpflegung umsonst bekommt. Das ganze hätte 2000 Dollar gekostet. Anfangs war ich ganz euphorisch und wollte das unbedingt machen, wobei mir gar nicht bewusst war, wie unglaublich Teuer der ganze Spaß eigentlich ist. Ich sagte der Reisebürofrau also zu und begab mich zurück nach Hause, wir machten für den nächsten Tag einen Termin aus, an dem wir alles weitere besprechen wollten. 
Zuhause angekommen sprach ich dann mit meiner Mutter darüber. Sie holte mich - zum Glück! - wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und machte mir bewusst, dass 2000 Dollar für neun Tage Bootsfahren eindeutig zu viel sind. Darum beschloss ich, der Frau am nächsten Tag im Reisebüro zu sagen, dass ich die Tour nicht machen werde - sondern stattdessen nur den Flug nach Galapagos buchen möchte. 
Zum Glück war das gar kein Problem ( obwohl ich ja für die Bootstour eigentlich schon zugesagt hatte und sogar schon einen Vorschuss bezahlt hatte - ups) und so buchte ich nur den Hin- und Rückflug nach Galapagos. Ich sollte also am achten Januar von Quito nach Baltra/ Santa Cruz fliegen und hatte meinen Rückflug für den 20. Januar von Baltra/ Santra Cruz nach Guayaquil ( die größte Stadt Ecuadors) gebucht, um diese Stadt ebenfalls kennen zu lernen. 
Überglücklich und aufgeregt bereitete ich mich also darauf vor, mir meinen Jugendtraum zu erfüllen - das bedeutete vor allem, viele kurze Sachen einpacken, denn in Galapagos sollte es - im Gegensatz zu Quito - endlich mal richtig schön heiß werden! 

Mittwoch, 7. Januar 2015

I wie Idylle

-Dass der Eintrag erst so spät veröffentlicht wurde, liegt daran, dass ich ewig total schlechtes Internet hatte.-

So, ich sollte jetzt vielleicht auch langsam mal erzählen, wie ich Silvester bzw. Neujahr hier verbracht habe. Wie bereits erwähnt, ist Silvester hier ein Fest, das man mit der Familie verbringt und da unser Gastvater aus einem kleinen Dorf in den Bergen namens Sigchos kommt und seine Mutter dort immer noch lebt, hat es uns ebenfalls dort hin verschlagen, um das neue Jahr mit einem Teil der Familie des Vaters ( er hat 11 Geschwister, die alle Ehepartner und Kinder haben - seine Familie ist dementsprechend groß) zu feiern.
Eigentlich war geplant, dass Pancho und ich am 31. Dezember mit Freunden von ihm, die ebenfalls Familie in Sigchos haben, schon früher als der Rest der Familie los fahren. Im Endeffekt sind wir dann aber - ganz nach ecuadorianischer Manier - dreieinhalb Stunden später gefahren als der Rest.
Da an diesem Tag natürlich noch mehr Verkehr in der Stadt herrschte als sonst, dauerte die Fahrt ungefähr drei Stunden.
Jedoch wurden wir nicht nur vom Verkehr, sondern auch von einem typisch ecuadorianischen Brauch aufgehalten. Hier ist es nämlich üblich, dass die Männer sich an Silvester als Frauen verkleiden und auf die Straße gehen, den Autos den Weg versperren und sie nur gegen eine kleine Spende weiterfahren lassen. Diese süßen Transvestiten haben uns also ebenfalls nochmal einige Minuten aufgehalten, und das in jedem Kaff, durch das uns unser Weg geführt hat.
Als wir dann endlich in der Dunkelheit in Sigchos ankamen, war es schon fast 8 Uhr, deshalb machten wir uns, nachdem wir unsere Sachen im kleinen Ferienhaus, das die Familie dort besitzt ( sie haben dort sogar einen großen Garten, eigene Hühner und Meerschweinchen) abgelegt hatten, auf dem Weg zum Haus der Großmutter, das ein paar Schritte die Straße hinunter gelegen ist und in dem wir schon vom Rest der Familie erwartet wurden. Es war - wie gesagt - nur ein Teil der Familie anwesend, wir waren so ca. 25 Leute. Wir setzten uns alle ins Wohnzimmer des Hauses und es wurde sofort begonnen, sich zu unterhalten -und natürlich durfte auch der Alkohol nicht fehlen. So wurde gleich die erste Flasche Schnaps geöffnet und immer jeweils ein Glas herum gereicht. Das ging so einige Zeit weiter, bis Rocío mir irgendwann vorschlug, mit mir, Natalia, ihrem Mann Pablo und den Kindern zum Marktplatz des Dorfes zu fahren, da dort anscheinend eine kleine Show stattfinden sollte. Diese bestand aus Gesang und Tanz sowie einer Parodie der Weihnachtsgeschichte. Danach machten wir uns auf dem Weg zum Ferienhaus, da dort der Truthahn bereits fertig im Ofen auf uns wartete. Um ca. 11 Uhr aßen wir dann also zu abend, es gab wie gesagt Truthahn ( con arroz, wer hätte es gedacht) und Gemüse. Nach dem Essen mussten wir uns beeilen, wieder zum Haus der Großmutter zu kommen, denn mittlerweile fehlte nur noch eine viertel Stunde bis Mitternacht.
Hier sind Feuerwerke nicht so üblich, aber das, was eigentlich jeder an Silvester macht, ist, das año viejo ( also das alte Jahr) zu verbrennen. Das heißt, es gibt einen kleinen Haufen mit Holz, der angezündet wird. Viele Leute kaufen sich ( oder machen sie selbst) Puppen aus Pappe, die ebenfalls verbrannt werden. Zur Zeit um Silvester herum gibt es diese Puppen in jeder Form und Größe überall in Quito zu kaufen - so sind zum Beispiel Spiderman oder andere Filmfiguren aus Pappe, aber auch Politiker - wie der Bürgermeister von Guayaquil- dort zu finden. Ein weiterer Brauch ist, seine Wünsche für das neue Jahr auf einen Zettel zu schreiben und diesen ebenfalls auf den "Scheiterhaufen" zu werfen.
So wurde als bei uns um Mitternacht das Feuer entzündet, wir wünschten uns alle ein frohes neues Jahr und warteten draußen, bis das Feuer erlosch. Danach begaben wir uns wieder ins Wohnzimmer, es wurde weiter getrunken ( und natürlich auch getanzt), bis alle irgendwann erschöpft ins Bett gingen. Am nächsten Tag haben wir, außer einer kleinen Wanderung durch die Berge, bei der uns einige Kühe den Weg versperrt hatten, nicht wirklich viel unternommen, außer, dass mir unsere Gastmutter den Garten, den die Familie dort hat, gezeigt hat. Dort wachsen Baumtomaten, Avocados, Bohnen und Mais. Außerdem haben sie dort in einem Stall Hühner und Meerschweinchen, die wohl leider für den Verzehr gedacht sind. Wenn die Familie grade nicht in Sigchos ist, kümmert sich ein ( ich glaube indigenes) Ehepaar um den Garten und die Tiere, die beiden wohnen auch in einer eher heruntergekommenen Hütte auf dem Grundstück.
Einen Tag später haben wir dann einen Ausflug mit dem Pickup Truck zu einem Dorf etwas weiter entfernt - ebenfalls in den Bergen - gemacht, wo wir die Landschaft, die sehr an die schweizer Alpen erinnert, genossen haben. Wir sind dann auch zu einer Käserei gefahren, die aber leider geschlossen hatte.
An unserem letzten Tag in Sigchos war die Familie den ganzen Vormittag damit beschäftigt, das Ferienhaus zu putzen und aufzuräumen, danach sind wir in ein Restaurant gefahren - und da kam der Schock für mich. Es war endlich soweit - die Familie lud mich zum Cuy ( also Meerschweinchen) essen ein! Traditionell wird das Cuy in der Sierra mit Kartoffeln und Erdnussoße serviert. Es gibt zwei verschiedene Arten von Cuy, das eine bekam nur Trockenfutter zu fressen und dessen Fleisch ist demnach etwas fetter, wohingegen die andere Sorte nur Gras zu fressen bekam und dessen Fleisch deshalb magerer ist. Obwohl in diesem Restaurant die erste Sorte serviert wurde, war natürlich trotzdem kaum Fleisch an den Knochen des armen Meerschweinchens, dessen Kopf hier sogar mit gegessen wird ( das Lieblingsstück meines Gastvaters).  Ich muss ehrlich sagen, dass mir Cuy überhaupt nicht schmeckt und dass mir sogar beim Essen etwas schlecht geworden ist - und das liegt nicht nur daran, dass ich es mega grauenvoll finde, ein süßes kleines Meerschweinchen zu essen! Der Geschmack des Fleisches ist einfach ekelhaft, teilweise sogar fischartig ( ich als - normalerweise - Vegetatier kann den Geschmack aber sowieso mit keinem eines anderen Tieres vergleichen, manche Leute hier meinen, es ähnelt Hühnchen, andere sagen, es schmeckt wie Kaninchen). Trotz allem habe ich das ganze Stück aufgegessen, da die Familie so stolz war, mir endlich das berühmte Cuy auftischen zu können.  Nach dem Restaurantbesuch ging es für  uns dann leider aus dem idyllisch ruhigen Sigchos wieder in die nervtötende, erdrückende Großstadthölle Quito. Es war wirklich schön, dieser mal für ein paar Tage entkommen zu können und in Sigchos einfach zu entspannen und die Natur zu genießen und außerdem eben zu erfahren, wie hier Silvester gefeiert wird. Die Erfahrung mit dem Cuy hätte ich mir allerdings sparen können!  Das schlimmste war, dass eine indigene Frau aus Sigchos unserer Mutter bei der Abreise noch zwei tote Meerschweinchen mitgegeben hat, was bedeutete, dass es bei uns daheim in Quito ein paar Tage nach der Rückkehr schon wieder Cuy zu essen gab -und diesmal musste ich sogar sehen, wie es im ganzen in den Ofen geschoben wurde! Guten Appetit sag ich da nur, falls einer von euch ein Meerschweinchen daheim hat und mal was neues ausprobieren will, einfach häuten, schön mit Salz einreiben und ab in den Ofen...