-Adaptierter Eintrag-
Wie versprochen, da melde ich mich auch schon wieder ! :)
D wie dankbar hat abgedankt! ( höhö, ich bin so ein Wortwitzkünstler!) Da ich in der letzten Zeit schon wieder so viel erlebt habe, den nächsten Blogeintrag aber für etwas anderes aufheben möchte, werde ich diesen hier einfach adaptieren. Macht euch gefasst, es wird mal wieder richtig viel erzählt und sehr chaotisch. Und weil das eben alles so detailreich sein wird, dachte ich mir, D wie Dokumentation passt an dieser Stelle vielleicht doch besser. Also, ich erzähle nun von den letzten Ereignissen, natürlich chronologisch nach Datum sortiert! ;)
24.11.
Also gut, gestern dachte ich, dass morgens für mich echt mal Chillen angesagt wäre, da für Steffi von ca. 8 bis 12 Spanischkurs auf dem Programm stand und ich hatte mich schon gefreut, währenddessen einfach nichts zu machen und rumzuhängen. Ich bin also frühstücken gegangen und hab mich danach ins Wohnzimmer gesetzt. Doch - wie sollte es anders sein - war natürlich mal wieder nichts mit chillen, da eine weitere Schwester mit ihrer kleinen Tochter Rafaela (4) zu Besuch kam und uuuunbedingt mit mir und den Hunden draußen spielen wollte. Also haben wir ungefähr eine halbe Ewigkeit damit zugebracht, im Hof herumzurennen und Stöckchen zu werfen bzw. Fangen zu spielen irgendwann haben wir dann unsere Aktivitäten in den Park vor unserer Haustür verlagert, was mir wirklich den Rest gegeben hat, denn morgens ist es hier meistens noch am wärmsten, zudem hat die Sonne gestern zum Glück sogar mal geschienen, wodurch ich aber super schnell durch das ganze Rumgerenne mega erschöpft, durchgeschwitzt und aufgeheizt war, im Gegensatz zu allen anderen im Haus, die total gefroren haben ( was normalerweise mein Part ist :D) - verkehrte Welt. Zum Glück war Steffis Sprachkurs dann auch endlich mal vorbei und nach ungefähr vier Stunden Spielen mit Rafaelita gabs dann erstmal ein stärkendes Mittagessen - schon wieder arroz aber sin pollo :o ! Nach dem Mittagessen haben wir uns auf zur Arbeit gemacht - mein erster Tag! Dafür mussten wir etwa eine halbe Stunde mit dem Bus richtung Süden fahren, also in die "Armenviertel". Dort angekommen, fand meine erste Begnung mit den Kindern vor der Einrichtung des ACJ statt. Gestern waren drei Mädchen und vier Jungs im Alter von vier bis 14 da. Mein erster Eindruck: die Kinder sind alle total lieb und ruhig aber trotzdem waren sie mir gegenüber gleich sehr aufgeschlossen und so habe ich die erste Stunde damit zugebracht, mit einem kleinen süßen Mädchen Memory zu spielen. Danach haben Steffi und ich uns erbarmt, mit den Jungs draußen im Garten Fußball zu spielen, und wieder mal bewahrheitete sich: Sport ist Mord, denn Steffi und ich kamen total schnell außer Puste und waren total schnell erschöpft, weshalb wir uns ziemlich bald an den Rand gesetzt und zugeschaut haben bzw. uns einen Kitzelwettkampf mit einem Mädchen geliefert haben. Nach zwei Stunden war das ganze dann aber auch schon wieder vorbei und einige Kinder wurden von ihren Eltern abgeholt, andere sind alleine nach Hause gelaufen. Vorher gab es aber noch etwas zu Essen für alle - irgendeine Kugel aus Bananenteig gefüllt mit Käse sowie Fruchtsalat. Allgemein kamen mir die Kinder alle total dankbar und glücklich vor, zu dieser Betreeung gehen zu können, einfach spielen und Kind sein zu können und jemanden zu haben, der sich um sie kümmert.
Wieder zu Hause angekommen haben wir uns dann einen kleinen Spaziergang mit Pancho gegönnt, um den Barrio ein bisschen kennen zu lernen ( da es schon dunkel war und kaum Leute auf der Straße waren kam mir das Stadtviertel etwas zwielichtiger und gefährlicher vor als tagsüber aber Pancho meinte, dass es hier gar nicht gefährlich ist).
Später sind wir mit Vito dann noch eine DVD kaufen gegangen, um abends etwas zu tun zu haben. Die DVDs hier sind mega billig ( Piraterie ahoi!), jede kostet einen Dollar! Nach langem Überlegen haben wir uns dafür entschieden, dass wir einen lustigen Film anschauen wollen und unsere Wahl fiel auf Bad Neighbours ( oder hier: buenos vecinos), denn wir uns nach dem Abendessen angesehen haben. Zum Essen gab es abends mal wieder arroz - aber con CARNE! Ich glaube unsere Gastmutter ist krank, denn ein Tag ohne pollo ist hier glaub ich schon nicht normal!
Heute morgen ist das Wetter ziemlich beschissen, es ist kalt und es regnet und wir machen uns gleich auf den Weg zur Arbeit, diesmal an einer anderen Schwesterstelle des ACJ, mal sehen, wie das heute wird und wie die Kinder dort sind!
25.11.
Die heutige Arbeitsstelle verschlug Steffi und mich sehr weit in den Süden Quitos ( der Süden ist ärmer als der Norden), nach Camal Metropolitano. Dort hat der ACJ im Gelände einer Schule einen kleinen Raum sowie den Schulhof für seine Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen. Normalerweise betreuen wir in Camal zwei Gruppen, zuerst die älteren und dann jüngere Kinder, heute waren jedoch, aus welchen Gründen auch immer, nur die älteren da, was für uns natürlich bedeutete, nicht so lange dort bleiben zu müssen. Die Gruppe der älteren Kinder in Camal, von denen ich ja jetzt schon einen Eindruck habe, erscheint mir total süß und nett und vor allem ebenfalls sehr ruhig.
Am Anfang der Betreeungszeit sprach Anita, das Mitglied des ACJ, die für Camal zuständig ist, mit den Kindern über verschiedene Emotionen, u.a. wovor sie Angst haben ( Dunkelheit, dass sie ihre Familie verlieren) und was sie glücklich macht ( dass ihre Mama sie liebt). Danach durften die Kinder draußen spielen. Ich wurde sofort von den Mädchen in ihr Spiel integriert ( sie spielten eine Art Gummibandhüpfen, falls das jemandem was sagt) und sie waren sehr aufgeschlossen, haben mich gleich bei der Hand genommen und umarmt.
Nach dem Spielen wurden sich die Hände gewaschen, denn es gab einen kleinen Snack ( Schinkenbrötchen mit Maracujasaft), daraufhin mussten die Kinder zum Unterricht und verabschiedeten sich von uns Betreuern ( sogar von mir!) mit einer Umarmung.
Da wir durch das Ausfallen der Nachmittagsgruppe noch Zeit hatten, haben wir Anita danach bei zwei Hausbesuchen begleitet, sie hat zwei Frauen aufgesucht und sie eingeladen, an einem treffen im ACJ mit anderen Müttern teilzunehmen, um ihnen in Sachen Erziehung, Kinderbetreuung usw. zur Seite zu stehen.
Über die Menschen bzw. das Leben in Camal kann man sagen, dass es sich wirklich stark von den weiter im Norden herrschenden Zuständen unterscheidet. Hier wohnt man meist in Steinhütten mit Wellblechdächern, die Leute sind eher arm, haben oft kein fließendes Wasser bzw. Strom zu Hause, es gibt keine befestigten Straßen, der Stadtteil liegt ziemlich weit entlegen weiter oben auf einem Berg, hier ist nicht wie unten im Tal ein Haus an das andere gereiht, sondern zwischen den Häusern ist mehr Platz, mehr Grünfläche, alles scheint "dreckiger" zu sein als im Stadtzentrum, auf der Straße laufen Schweine, Hühner und Hunde frei herum. Außerdem müssen hier die Kinder mitarbeiten, sie helfen zum Beispiel dabei, Ziegelsteine für weitere Hütten zu brennen, leisten also wirklich körperliche Arbeit - dennoch erschien mir die Bevölkerung von Camal ziemlich glücklich und zufrieden zu sein, obwohl sie in unseren Augen einen eher niedrigen Lebensstandard haben.
Nach den Hausbesuchen machen wir uns auf den Weg nach Hause, wo wir mit Essen ( arroz con carne, sopa) empfangen wurden, bevor wir begannen, uns fertig zu machen, denn wir hatten vor, uns mit Vito um 6 im Parque Carolina zum Joggen zu treffen. Unsere Gastmutter meinte eigentlich, es würde zwei Stunden bis zum Park dauern, aber wir waren zu faul uns zu beeilen, haben es dann aber trotzdem einigermaßen pünktlich geschafft, obwohl wir erst um 5 Uhr los gefahren sind. Dort angekommen sind wir eine Runde um den Park gejoggt ( ca. 5km), was trotz der Höhenluft überhaupt nicht anstrengend war, sondern eher mal richtig gut getan hat. Zufrieden sind wir danach nach Hause gefahren, haben uns ( endlich mal mit warmem Wasser, vorher war es immer arschkalt!) geduscht, bevor es zum Abendessen ausnahmsweise mal arroz con Fischstäbchen gab - und außerdem etwas, das sehr stark Milchreis ähnelt, nur, dass anstatt Reis Mais verwendet wird - das ganze nennt sich Morocho, man trinkt es und es schmeckt superlecker! Nach dem Essen haben wir noch kurz fern gesehen und sind dann ins Bett geschlüpft.
26.11.
Für heute war eine große Besprechung im ACJ angekündigt, da dort besondere Gäste erwartet wurden. Bei diesen VIPs handelte es sich um ein Ehepaar aus der Schweiz, die eigentlich aus Norwegen stammen und ein paar Jahre in Deutschland gelebt haben, weshalb sie ziemlich gut deutsch sprechen. Der Mann, Johann, ist deswegen so interessant für den ACJ, da er der Weltweite Vorstand des YMCA ( also ACJ auf Globalisiertensprache) ist. Mit dabei hatte er einen Mann aus Brasilien, der sich als Sekretär des weltweiten YMCAs herausstellte und dank seiner Sprachkünste als Übersetzer ( von Spanisch auf Englisch) für Johann fungierte. Außerdem wichtige Besucherinnen die beiden Vorstände des ACJ Santo Domingo.
Zuerst wurde bei dieser kleinen Versammlung die Arbeit des ACJ Quito vorgestellt, wobei auch wir als Voluntärinnen ( sagt man das so?) mit einbezogen wurden, dazu wurden Kekse und Saft gereicht ( in Ecuador geht eben nichts ohne Essen!). Nach dieser kleinen Einführung wurde mit den Gästen eine Rundfahrt veranstaltet, wobei der erste Halt der Mercado Mayorista war, ein riesiger Markt, auf dem es fast alles ( vor allem aber Obst und Gemüse) zu kaufen gibt und auf dem sich ebenfalls eine Einrichtung des ACJ, nämlich sogar die größte der 4, befindet. Die Einrichtung auf dem Mercado Mayorista dient dazu, Kinder, die eigentlich auf dem Markt arbeiten müssten, durch die bereits erklärte Arbeit des ACJ davon abzuhalten.
Nach der Besichtigung dieser Einrichtung haben wir einen Spaziergang über den Mercado gemacht, auf dem wirklich tausend verschiedene Sorten von Früchten und Gemüse zu finden sind, vor allem solche, die man in Deutschland nicht mal vom Aussehen, geschweige denn vom Namen her, kennt. Noch dazu sind diese Dinge auf dem Markt extrem billig, eine der Frauen aus Santo Domingo hat zum Beispiel eine ganze Bananenstaude ( ihr wisst was ich meine) für nur einen Dollar gekauft ( wovon sie natürlich jedem von uns etwas abgegeben hat).
Den zweiten Abstecher machten wir bei einem riesengroßen Kindergarten auf einem Berg, der richtig richtig viele Kleinkinder beherbergt, aber ( glücklicherweise, denn mit so vielen Kindern würde ich glaube ich durchdrehen) nicht zu unserem Arbeitsfeld gehört, jedoch trotzdem irgendwie vom ACJ unterstützt wird. Vom Kindergarten aus ging es dann wieder zurück zum ACJ- Hauptgebäude, wo wir uns alle zusammen zum Mittagessen versammelten, es gab Rindfleisch, Salami, Avocado, Rote Bete und mit Käse gefüllte Kartoffelpuffer sowie Ananassaft - anscheinend ein Gericht, das extra für die Europäer unter uns gewählt wurde, da es mir eher nicht so typisch ecuadorianisch erschien.
Nach dem Essen ging es dann weiter mit Vorstellungen über die Arbeit des ACJ Quito, dann wurde sich von den Besuchern verabschiedet und wir blieben noch etwas im ACJ, um einem der dort involvierten Jugendlichen - Jefferson - dabei zu helfen, für den morgen anstehenden Tag der offenen Tür ein passendes Lied herauszusuchen, das er performen sollte ( er kann nämlich mega gut singen!).
Abends zu Hause angekommen gab es Suppe mit Linsen, danach - endlich mal wieder! - arroz con pollo!
27.11.
Wegen des erwähnten Tages der offenen Tür mussten wir heute ziemlich früh aufstehen, nämlich um halb 7, da wir um halb 8 beim ACJ sein sollten. Jedoch war Steffi beim aufwachen leider ziemlich krank, sodass sie zu Hause blieb und ich - zum allerersten Mal!- alleine gehen musste - und das mit meinem Orientierungssinn! Der Weg zur Bushaltestelle fiel mir zum Glück ziemlich leicht ( man muss auch nur einmal links und einmal rechts abbiegen), danach hatte ich jedoch im Bus das Problem, dass der Bus nicht an der Bushaltestelle anhielt, an der ich aussteigen musste ( ich hatte vergessen zu drücken). Zum Glück hat der Busfahrer mich dann einfach an der Straße heraus gelassen, als ich ihn gefragt habe und so habe ich es schließlich und endlich heile zum ACJ geschafft. Dort angekommen war - wie hätte es anders sein sollen - noch fast keine Sau da, nur ich und Efe ( der Jugendkoordinator) sowie drei der Jugendlichen, nämlich Jefferson, Kat und Julio, die gerade dabei waren, eine Präsentation vorzubereiten.
Um mich nützlich zu machen half ich, in der Aula im Keller Stühle aufzustellen und mit Jefferson die Akustik für seinen Auftritt zu checken.
Als dann endlich die Gäste eintrudelten, stellte ich fest, dass es die gleichen waren, wie im Tag zuvor, bis auf zwei weitere Frauen, die sich als Mitglieder des ACJ Porto Viejo herausstellten. Diesen Gästen also wurde von den Jugendlichen deren Arbeit im ACJ Quito vorgestellt, woraufhin sie dann dem ACJ Quito ihre jeweiligen Arbeitsbereiche vorstellten. Zum Schluss dieser ersten Vorstellungsrunde hielt Johann dann noch eine motivierende Rede, die zu mehr Zusammenarbeit zwischen den einzelnen ACJs aufforderte.
Danach gab es Mittagessen für alle, jeder bekam einen Berg arroz mit einem viertel pollo, außerdem Salat und Saft, bevor weitere Vorträge im Keller folgten, wobei zunächst Kat und Jefferson eine Präsentation hielten und danach gemeinsam ein Medley aus verschiedenen, ihnen wichtigen Liedern, sangen, wobei sie die Gäste dazu animierten, aufzustehen und mit zu tanzen. Als wir schließlich alle standen lief das berühmte Lied YCMA, zu selbstverständlich jeder die Choreo beherrschte und fleißig mit machte.
Nach dieser sportlichen Höchstleistung wurde dann die ganze Partie mit einem Haufen typischer Snacks versorgt, es gab Schinken am Spieß, Bananenchips, gebrannte Haselnüsse, Kichererbsen- und Bohnenchips,Plätzchen sowie Löffelbiscuits, die man hier anscheinend in Saft eintunkt.
Nach dieser Schlemmerei kam dann der bittere Abschied, wir haben alle viele Fotos miteinander gemacht und trotz der kurzen Zeit hatte man wirklich das Gefühl, dass die ganzen verschiedenen Mitglieder der unterschiedlichen ACJs zu Freunden geworden waren, deshalb war der Abschied wirklich emotional.
Als die Besucher gegangen waren blieb ich noch kurz mit den anderen Jugendlichen im ACJ, bis Negro, Kat und Jefferson dann extra einen anderen Bus nahmen, um mich sicher nach Hause - sogar bis vor die Haustür - zu bringen, was wirklich richtig richtig nett von ihnen war ( als wüssten sie, wie schlecht ich mich orienteren kann :D!).
Danach war ich kurz mit Pancho joggen, es gab Abendessen ( arroz con frijoles (Bohnen) und Spiegelei, für Steffi als Medizin gab es dann vor dem Schlafengehen noch heißen Orangensaft mit Honig und Zimt.
28.11.
Heute haben wir morgens erstmal beim ACJ vorbei geschaut, weil Freitags dort anscheinend immer eine Art Versammlung ist, nur war heute irgendwie ewig niemand dort außer Nixon, der so was wie der Portier bzw. das Mädchen für alles des ACJ ist. Als dann irgendwann endlich der "Chef" Cesar eintrudelte, haben wir ihn gefragt, ob es möglich ist, dass wir die nächste Woche frei bekommen, da wir vor hatten, in eine kleine Stadt weiter richtung Osten ( Mindo) zu fahren und außerdem eine Tour in den Regenwald machen wollten. Zum Glück war das kein Problem und danach haben wir den ACJ verlassen, glücklich, weil das mit unserer Reise klappen sollte und weil mega schönes Wetter war. Als nächstes Stand für uns ein Besuch beim Ausländeramt auf dem Programm, da ich mein Visum bestätigen lassen musste. Zum Glück mussten wir nicht - wie normalerweise üblich bei solchen Behörden - ewig warten, sondern kamen gleich dran und konnten uns dann ziemlich schnell auf den Weg in einen Park machen, um das Wetter zu genießen. Dort angekommen haben wir uns erstmal einen Fruchtsalat gegönnt und uns in die Sonne gelegt.
Später, auf der Heimfahrt, mussten wir uns dann bei der Hitze in einen völlig überfüllten Bus quetschen, wo wir fast erstickt, erschwitzt, und zerquetscht worden wären.
Daheim angekommen wurden wir mit Essen empfangen, es gab Kartoffel- Bananensuppe und arroz con abondigas ( Fleischbällchen). Danach hieß es für uns dann schon packen, packen, packen, denn wir wollten ja gleich am nächsten Tag nach Mindo fahren und Sonntags dann direkt von dort aus in den Oriente, also den Regenwald.
Abends haben wir uns zuerst mit Matthias, der frisch aus Galapagos zurückgekehrt war, und Santi getroffen, um gemeinsam essen zu gehen. Da Matthias unbedingt zum Chinesen wollte, stand für uns also mal eher untypisches Essen auf dem Plan, obwohl chinesisch hier fast schon wieder typisch ist, da man eigentlich an jeder Ecke einen Chifa findet.
Später sind wir dann ins Zentrum, besser gesagt zum Plaza Grande gefahren, wo wegen der Fiestas de Quito ( Feiere der Unabhängigkeit Quitos von den Spaniern) ziemlich viel los war, es gab ein Konzert mit viel Tanz, was schön war, da ich so die Gelegenheit hatte, die Kultur noch besser kennen zu lernen.
Nachdem wir einige Zeit beim Konzert zugehört haben, sind wir dann weiter zur "Kneipenstraße" la Ronda gelaufen, wobei es auf dem Weg dort hin noch mehr Konzerte zu sehen gab. An der Ronda angekommen war ich erstmal verblüfft, denn dort ist wirkliche eine Bar bzw. Restaurant an das nächste gereiht, es gibt überall mega viel Essen, außerdem kleine Straßenläden, wo Schmuck verkauft wird und sehr viele Straßenkünstler - wir haben dann zum Beispiel einige Zeit einer Tanzgruppe zugesehen, danach kurz bei einem Straßentheater. Zu unserer Überraschung gab es dann auch noch ein Feuerwerk zu bestaunen, das direkt über der Virgen de Panecillo abgefeuert wurde, was wirklich wunderschön anzusehen war, ebenso wie der Ausblick über die ganze Stadt, die nachts einfach einem riesigen Lichtermeer gleicht.
Kurz danach haben wir uns dann mit Diego getroffen und uns auf die Such nach einer Bar gemacht, die chocolate con queso ( also heiße Schokolade mit Käse) verkauft, da das hier anscheinend auch ein typisches Getränk ist. Leider haben wir ewig keine Bar gefunden, da entweder keine Schokolade dort angeboten wurde oder dort, wo sie angeboten wurde, kein Platz mehr war. Deswegen haben wir uns dann einfach erstmal in eine andere Bar gesetzt und dort sozusagen den "ecuadorianischen Glühwein" getrunken, nämlich canelazos, eine Mischung aus Zimt, irgendeinem Schnaps, Honig und Orangensaft.
Später haben wir dann auch nach ewiger Suche endlich eine Bar gefunden, die den gewünschten chocolate con queso anbietet und freie Sitzplätze hatte und zu meinem erstaunen war das Getränk mega lecker! Man bekommt einfach eine große Tasse heiße Schokolade und dazu ein Stück Käse serviert, das man selber in die Schokolade reinbröseln kann, wie man lust hat, das gannze wird dann entweder gelöffelt oder eben getrunken.
Während wir in dieser Bar saßen, kam irgendwann ein kleiner Junge herein, der Süßigkeiten und Zigaretten verkaufte. Da Diego ihn von seiner gemeinnützigen Arbeit bei der Stadt kannte, hat er ihn aufgefordert, sich zu uns zu setzen und ihm ebenfalls chocolate con queso bestellt. Während er diesen trank, haben wir ihn mit Fragen bombardiert und die Antworten waren wirklich schockierend:
Der kleine Junge ist zehn Jahre alt und geht zur Schule. Seit er fünf Jahre alt ist arbeitet er jeden Freitag und Samstag von 19 Uhr bis drei Uhr nachts auf der Ronda, zusammen mit seiner älteren Schwester, die dort ebenfalls irgendwo herum läuft und Süßigkeiten verkauft. Seine Eltern sind währenddessen zu Hause, seine Mutter ist sehr Krank und sein Vater, der als Lieferant arbeitet, hat sehr schlechte Arbeitszeiten und die Familie hat sehr wenig Geld. Für den kleinen Jungen ist die Arbeit mitten in der Nacht auf so einer überfüllten Straße wie der Ronda natürlich ziemlich gefährlich, zumal er ja die ganze Zeit - und das seit er fünf ist - dort ganz alleine herum läuft.
Irgendwann wurden ihm unsere Fragen dann aber zu viel ( verständlicherweise) und er ist leider gegangen, ohne seine Schokolade auszutrinken.
Allgemein sollte man von solchen Kindern nichts kaufen, denn man hilft ihnen damit nicht, sondern unterstützt nur die Kinderarbeit.
Nach diesem Geschehnis ist uns allen dann ziemlich die gute Laune vergangen und da wir morgen sowieso früh ( 6:00 Uhr) aufstehen mussten, und es schon ziemlich spät war ( 02:00 Uhr) haben wir uns ein Taxi genommen und sind nach Hause gefahren.
29.11.
Wie gesagt mussten wir heute um sechs Uhr aufstehen, haben uns dann schnell auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht, wo ewig kein Bus gekommen ist, weshalb wir erst ziemlich knapp an der Haltestelle La Marín ankamen, wo wir uns mit Santi und Matthias verabredet hatten. Von dort aus sind wir dann zum großen Busbahnhof Quitumbe gefahren, um einen Bus nach Mindo zu nehmen. In Mindo angekommen, war ich erstmal angenehm überrascht, denn Mindo ist eine kleine Stadt, die mitten in der Natur ( Regenwaldfeeling!) liegt und wo es tausende verschiedene Pflanzen und Tiere zu bestaunen gibt - vor allem für seine unzähligen verschiedenen Kolibri Arten ist die Stadt bekannt.
Unser Hostel glich einer Holzhütte im Dschungel, wie man sie aus Filmen oder von Fotos kennt, wobei wir in einem Gemeinschaftszimmer, das halb im Freien lag, untergebracht wurden. Das Besondere an unserem Hostel war außerdem, dass es direkt am Wald liegt und man hier buchstäblich mit den Kolibris frühstücken kann, denn die Terasse, bzw. das Esszimmer, grenzt direkt an Kolibri- Futterstellen, die nur ca. 2 Meter vom Speisenden entfernt aufgestellt sind. Eine Nacht in dieser Unterkunft sowie Frühstück hat uns gerade mal 12 Dollar gekostet.
Nachdem wir uns dort eingerichtet haben, gings erstmal völlig ausgehungert zum Mittagessen in ein Restaurant, danach machten wir uns auf die Suche nach einem billigen der dort unzähligen Touristenbüros, die verschiedene Aktionen in der Natur anbieten. Ziemlich schnell waren dann unsere Ausflüge gebucht, für den heutigen Tag standen Canyoning und Tubing auf dem Programm. Es ging dann auch direkt los mit der ersten Aktion, wir wurden mit einem Pick-up weiter in die Berge gefahren, um dann noch ca. 7 Minuten einen der Berge hinaufzusteigen und an einer Plattform anzukommen, die direkt über einem 40 Meter hohen Wasserfall liegt und wo bereits Kletterseile angebracht waren. Leider war es zu dieser Tageszeit schon nicht mehr so sonnig und warm wie am Morgen, weswegen mir leider etwas die Lust auf das Folgende vergangen war :D. Denn jetzt hieß es, gesichert mit den Kletterseilen und ausgerüstet mit Helm und Handschuhen, den Wasserfall hinabzusteigen, während man von dem herabfließenden Wasser von oben bis unten schön durchnässt wurde. Um die ganze Sache möglichst schnell hinter mich zu bringen, meldete ich mich freiwillig als erste. Anfangs, als ich mich noch nicht direkt unter dem Wasserfall befand, schien alles gar kein Problem, aber sobald ich richtig schön mit dem arschkalten Wasser abgeduscht wurde, fing ich an zu schreien wie am Spieß und beeilte mich, schnell nach unten zu kommen. Das mit dem als erste gehen stellte sich leider als Fehler heraus, denn so musste ich, unten angekommen, klitschnass eingenässt und extrem frierend warten, bis die anderen drei ebenfalls unten angekommen waren. Während das Wetter immer schlechter wurde und ich beinahe erfor, bahnte sich schon die nächste Tortur an, nämlich das Tubing. Wir wurden also wieder mit dem Pick- up zu einem Fluss gefahren, wo wir bereits von dem dortigen Guide mit Schwimmwesten erwartet wurden. Schon während ich diese anzog, hätte ich heulen können bei dem Gedanken daran, welche eisig kalte Qual mich gleich erwarten würde.
Dann ging es auch schon ab ins Wasser, bzw. musste sich jeder von uns auf einen von 7 aneinander gebundenen Reifen setzen. Als ich den Guide fragte, wie lange das ganze dauern sollte, meinte er, 15 Minuten, was mir schon viel zu viel erschien, bis er dann sagte, das wäre ein Witz gewesen, denn eigentlich seien es 30 Minuten dieses Höllenritts. Na super! Ich setzte mich also auf den Reifen, klammerte mich fest, während mein Hintern halb im arschkalten Wasser hing. Zum Glück führt der Fluss zu dieser Jahreszeit nicht so viel Wasser, denn sonst wäre ich wahrscheinlich noch viel nasser geworden, als es letztendlich der Fall war. Wir fuhren mit den Reifen also Flussabwärts, sprangen über viele im Wasser liegende Felsen und während einige der anderen echt richtig viel Wasser abbekamen, habe ich es zum Glück irgendwie geschafft, nicht allzu nass zu werden und so verging die halbe Stunde schneller als gedacht und das ganze hat sogar ein bisschen Spaß gemacht ;)
Danach wurden wir vom Pick- up zurück zu unserem Hostel gefahren, um uns dort abzuduschen ( da wir vom Tubing wirklich in jeder Ritze Steine hatten :D ! ) und uns dann endlich etwas trockenes anziehen zu können.
Zum Mittagessen gingen wir dann in ein sehr interessantes kleines Café, das ausschließlich vegetarische, sowie auch einige vegane Speisen anbietet - also endlich mal keine Chance für arroz con pollo! Stattdessen gab es selbstgemachtes Vollkornbrot mit veganem Nutella aus Avocados, Haferbrei, veganen Schokokuchen aus Avocado und vegetarische Sandwiches. Das Café wird betrieben von einer Franzosin und einem Italiener, die seit einem Jahr in dem zum Café gehörigen kleinen Haus am Fluss in Mindo wohnen, dessen Küche halb im Freien liegt. Das interessante an dem Café ist außerdem, dass es nur einen überdachten Tisch im Garten mit vielen Bänken außenherum gibt, den sich alle Gäste miteinander Teilen - wir haben an diesem Tag dort dadurch zum Beispiel eine Frau aus Brasilien kennen gelernt. Durch die vielen Kissen und allgemein das ganze Ambiente fühlt man sich dort total wohl und durch die freundliche Bedienung des Paares auch sofort wie zu Hause, sodass wir den ganzen Nachmittag dort verbrachten.
Abends sind wir dann außerhalb der Stadt im "Wald" spazieren gegangen und vor allem nachdem es dunkel geworden war konnte man unzählige Frösche, Grillen und Vögel hören und total viele Glühwürmchen sehen. Wieder in der Stadt angekommen wollten wir dann eigentlich einen Zirkus besuchen, hatten dann aber keine Lust zu warten, bis er aufmacht, deshalb haben wir uns in eine kleine Bar gesetzt, die ebenfalls von Ausländern geführt wird und mal ganz anderes Essen anbietet ( z.B. Veggie-Burger und Falaffelteller) als hier normalerweise üblich - es gab sogar selbst gebrautes Bier! Allgemein ist Mindo eine Stadt, die hauptsächlich vom Tourismus lebt und in der sehr viele Kulturen aufeinander Treffen, was eine tolle Abwechslung zu "immer nur ecuadorianisch" darstellt.
Da der ganze Tag ziemlich anstrengend und aufregend war, bin ich recht früh ins Bett gegangen, wo tausende Moskitos und Insekten schon auf mich warteten ( ich hatte aber zum Glück ein Moskitonetz und war eh zu müde, um mich davon stören zu lassen).
30.11.
Heute ging der Tag für uns erstmal damit los, die Besonderheit unseres Hostels Auszunutzen, nämlich, wie schon erzählt, mit dem Kolibri - Frühstück. Danach ging es direkt weiter mit dem Pick-up zu der dritten Aktivität, die wir gebucht hatten - das Canopying. Für diejenigen, die sich darunter nichts vorstellen können - so wie ich vorher - Canopying besteht daraus, an einem Seil gesichert von einer Plattform zur anderen über Schluchten bzw. Täler zu schwingen. Für uns bedeutete das, über regenwaldartige Natur und palmenbewachsene Hügel zu schwingen, dabei konnte man mithilfe von den Guides sogar Kopfüber schwingen oder richtig durch die Luft fliegen wie Superman. Das war echt super aufregend und hat total Spaß gemacht - endlich mal was ohne Wasser und Kälte :D!
Zum Mittagessen waren wir dann erst in einem Restaurant, das von einer Schweizerin und einer Deutschen geführt wird und sogar deutsches Brot anbietet, was hier sehr gefragt ist, da es sonst überall nur super labberiges Weißbrot gibt. Später hat es uns dann wieder in unser geliebtes Café verschlagen, wo heute Pizza angeboten wurde, die der italienische Besitzer im eigenen Steinofen frisch zubereitet hatte und wo wir schließlich wieder unseren ganzen Nachmittag verbrachten.
Um 17 Uhr ging dann unser Bus zurück nach Quito, von wo aus wir einen Nachtbus weiter Richtung Río Coca nahmen, also in Richtung Regenwald. Die Busfahrt dahin dauerte ca. 7 Stunden und mitten in der Nacht ( ca. 3 Uhr) wurden wir plötzlich alle wegen Polizeikontrolle aus dem Bus geschmissen, ansonsten gab es aber keine Komplikationen - außer natürlich, dass so ewig Bus fahren natürlich nicht sonderlich bequem ist und wir dementsprechend nicht so viel Schlaf abbekommen haben, wie es vielleicht notwendig gewesen wäre.
1.12
Um ca. 6 Uhr kamen wir endlich in Coca an und wurden sofort mit beschissenem Wetter begrüßt - es schüttete wie aus Strömen und da es noch so früh war, hatte noch kein Café oder sonstiges offen, sodass wir super durchnässt und verfroren durch Stadt geistern mussten und uns dabei schon mal auf die Suche nach einem Touristenbüro machten, das uns eine Tour in den Regenwald verschaffen sollte. Ein paar Stunden und einen Becher Morocho später haben wir dann auch ziemlich schnell ein tolles kleines Touristenbüro gefunden, das eine drei Tagestour in den Wald anbietet. Geleitet wird es von einer Quichua- Familie ( so nennt man die indigene Bevölkerung in Ecuador) - das witzige ist, dass die Frau des Sohnes der Familie Deutsche ist, die sich bei eben solch einer Tour in den Guide verliebt hat. Jedenfalls gefiel uns sowohl das Angebot als auch die Freundlichkeit diese sogenannten Touristenbüros "Witoto-Tours" auf Anhieb, sodass wir sofort zusagten, bezahlten und mit Gummistiefeln ausgestattet um ein Uhr Nachmittags in ein vollbeladenes Kanu am Fluss stiegen - zusammen mit den Geschwistern Susanna und Fredy, die für die nächsten drei Tage mit uns zusammen leben und unsere Guides darstellen sollten.
Die Fahrt tiefer in den Urwald hinein auf dem Fluss, der ein Ausläufer des Amazonas ist und unter anderem sogar Delfine und Piranhas beherbergt, dauerte ungefähr zweieinhalb Stunden. Während der Fahrt bekamen wir einen Einblick in die Quichua Kultur, denn unter anderem versuchte Susanna uns die gleichnamige Sprache beizubringen und gab uns außerdem typisches Essen zum probieren, nämlich gekochtes Yuca ( irgendeine Wurzel, die wie eine Mischung aus Kohlrabi und Kartoffel schmeckt) und Fisch aus dem Fluss, eingewickelt in ein Blatt und ohne Besteck, denn das ganze isst man traditionellerweise mit den Händen.
Schon während der Fahrt haben wir richtig viele exotische Vögel und natürlich Pflanzen gesehen und außerdem riesige Schmetterlinge in allen möglichen Farben - zum Beispiel orange oder gelb aber auch ein total krasses strahlendes blau.
Unser Camp im Urwald bestand aus einer Lichtung nah am Fluss, auf der 4 Hütten stehen - zwei mehr oder weniger fertige und zwei, die noch in Arbeit sind. Eine der fertigen Hütten ist eine Art Gemeinschaftshaus - dort befinden sich zwei Klos sowie eine Küche und ein Esszimmer, die halb im freien gelegen sind. Die andere fertige Hütte besteht aus zwei Schlafzimmern mit jeweils eigenem Bad und Terrasse - die Zimmer sind zwar eigentlich geschlossene Räume, da das ganze aber auch irgendwie noch nicht ganz fertig ist, gibt es dort weder Strom noch Mobiliar, weswegen mitten im Raum einfach ein Zelt aufgebaut wurde, in dem wir schlafen sollten.
Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten und unseren dritten Guide im Bunde kennen gelernt hatten ( ein alter Mann, der mega cool und süß war, dessen Namen ich mir aber leider nicht merken konnte), ging es dann wieder zurück ins Kanu und auf zum Angeln, denn zum Abendessen war Fisch geplant. Auf dem Weg zur Angelstelle haben wir wieder unzählige Vögel und sogar eine Horde Wasserschildkröten gesehen, die sich auf Felsen am Ufer gesonnt haben.
Unsere Angeln bestanden aus einem Bambusstock, an den eine Nylonschnur mit Haken gebunden war, als Köder gab es schönes, deftiges, rohes Fleisch. Während Fredy und Susanna relativ schnell drei Fische aus dem Wasser zogen ( ein Piranha, ein Katzenfisch und noch irgendwas anderes) stellten wir uns eher weniger geschickt an. So wurde an meinen Ködern zwar immer wie wild geknabbert, aber immer, wenn ich dann mega aufgeregt meine Angel aus dem Wasser zog, war kein Fisch zu sehen, stattdessen war die Hälfte meines Köders weg. Aber es kommt noch besser, denn anscheinend hatte ich einige Male echt ein paar dicke Dinger an der Angel, hab dann mit aller Kraft versucht, die Teile aus dem Wasser zu bekommen, wie wild an der Angel gezogen und es so gleich zwei mal geschafft, meinen jeweilige Bambusangel zu zerbrechen, sodass Fredy mir am Ende nur noch die bloße Nylonschnur zum Angeln gegeben hat.
Als nach einer gefühlten Ewigkeit immer noch kein Fisch bei einem von uns Touris angebissen hatte, beschlossen wir, uns auf den Rückweg zu machen, da es mittlerweile auch schon dunkel geworden war. Auf dem Weg zurück zum Camp haben wir dann viele Fledermäuse gesehen und außerdem ein Alligatorbaby, das am Flussufer saß.
Im Camp angekommen begann Susanna dann, aus den geangelten Fischen Suppe zuzubereiten ( ich bekam den Piranhakopf!) - das ganze bei Kerzenschein, denn es gab dort ja keinen Strom. Zu unserer riesigen Überraschung gab es - ganz dem Urwald entsprechend - zur Suppe dann sogar noch etwas ganz exotisches. Kann einer von euch erraten was es war? Natürlich nicht, viel zu ausergewöhnlich, deswegen verrate ich es euch. Es gab arroz con pollo.
2.12.
Am nächsten Morgen also wurden wir um 7 Uhr von Fredy geweckt, denn es stand eine Urwaldwanderung auf dem Programm. Ich sollte jedoch erst einmal mit einer ganz anderen Überraschung erwachen. Hatte ich schon erwähnt, dass es im Regenwald unzählige Insekten und natürlich dementsprechend auch unzählige Moskitos gibt? Nein? Hättet ihr euch aber ja auch eigentlich denken können. Und hatte ich schon erwähnt, dass ich allergisch auf Insektenstiche reagiere? Nein? Hättet ihr euch aber ja auch eigentlich denken können. Na gut, hättet ihr nicht, ist aber so, jetzt wisst ihr es. Und mit meinem unglaublichen Glück ist mir etwas passiert, dass mir das letzte mal vor was weiß ich wie vielen Jahren passiert ist. Früher als Kind hatte ich oft das Problem, dass, wenn mich eine Schnake auch nur in die Nähe meines Auges gestochen hatte ( und mit Nähe meine ich Stirn, Backe, was auch immer), das Auge extrem zugeschwollen ist, so wie von Quasimodo, sodass ich einen Tag mindestens aussah wie ein Monster und das Auge dementsprechend auch nicht öffnen konnte. Nun gut, und wie es der Zufall so wollte, hatte mich anscheinend am vorigen Abend eine verdammte Regenwald-Schnake mit ihrem exotischen Regenwald-Gift in mein Gesicht gestochen, sodass an diesem Morgen mein linkes Auge SO extrem zugeschwollen war, wie noch niemals zuvor! Vor dem Frühstück wurde ich deshalb erstmal von Susanna und dem alten Mann versorgt - leider keine exotische Regenwaldmedizin, sondern nur heißes Wasser wurden auf mein Auge getupft, das ganze brachte aber natürlich nichts. Danach wurde mir das Auge zugeklebt, sodass ich aussah wie ein Pirat für Arme, damit sich später bei der Wanderung nicht noch mehr Insekten daran vergriffen.
Um 8 Uhr ging es dann, ausgestattet mit langer Kleidung ( wegen der Insekten) und Autan sowie Kopfbedeckung ( wegen herabfallendem Dreck und Insekten) sowie Gummistiefeln ( ebenfalls wegen der Insekten und anderer Tiere) ab ins Kanu und auf den Fluss, um eine viertel Stunde entfernt vom Camp wieder ans Ufer zu gehen. Bevor es tief in den Urwald hinein ging, wurden wir zunächst von Fredy, ganz nach traditioneller Quichua- Art, mit Gesichtsbemalung ausgestatt - die rote Farbe hierfür stammte aus einer Frucht, die er vorher irgendwo gepflückt hatte. Das ganze diente dazu, unsere Zugehörigkeit dem Dschungel gegenüber auszudrücken und die Tiere nicht aggressiv zu machen.
Daraufhin ging es dann auch schon los, der alte Mann ging mit seiner Machete voran, um uns den Weg frei zu schlagen, danach folgten wir Touris und Fredy machte das Schlusslicht. Dank der "Augenklappe" und der Cap, die ich aufhatte, war das ganze für mich eher eine Dschungelstolperung als eine Dschungelwanderung, ich riss mir die Hose auf und blieb an vielen Lianen hängen bzw. stieß mir einige Male irgendwo den Kopf ( sagt jetzt nichts, wehe einer lacht!). Trotz allem habe ich doch einiges mitbekommen. So hat der alte Mann uns zum Beispiel tausende Pflanzen vorgestellt, die für irgendwas nützlich sind, zum Beispiel das Viagra des Dschungels, Lianen als Gegengift, ein Baumstamm mit Nadeln als Reibe, eine Pflanze, die wie ein Anästhetikum wirkt und, und, und. Außerdem haben wir auf dem Boden Überbleibsel von indigenen Kochutensilien aus Lehm gefunden.
Zudem gab es auch einige Tiere zu sehen, so z.B. riesige Tausendfüßler ( 15cm lang), Papageie, andere Vogelarten, Affen, Schmetterlinge und giftige Ameisen, deren Biss einem mindestens 12 Stunden andauernde Schmerzen bereitet ( ich wurde auch von einer Ameise gebissen, glücklicherweise nicht von so einer). Außerdem sind wir durch Sumpfgebiete gewatet, in denen man echt aufpassen musste, nicht im Morast zu versinken, haben Spuren von Ameisenbären und Tapiren gesehen und sogar selbst Ameisen direkt aus einem Baum herausgeschleckt und gegessen ( sie schmeckten nach Zitrone und es bitzelte beim Essen etwas auf der Zunge). Zudem haben wir einen riesigen 500 Jahre alten Baum bestaunen können, dessen Umfang so groß ist, dass ( laut dem alten Mann) nicht mal 20 Mensch, die sich an der Hand nehmen, ausreichen, um einmal um den Baum herumzufassen, und dessen Höhe 40 Meter beträgt.
Nach 5 Stunden pausenlosem Wandern durch den Regenwald kamen wir dann endlich komplett ausgehungert und halb verdurstet zurück am Camp an, wo Susanna zum Glück schon mit dem Mittagessen auf uns wartete. Danach gönnten wir uns erstmal eine Dusche, denn wir waren alle total durchgeschwitzt ( im Wald ist es zwar sonnengeschützt, aber trotzdem extrem schwül) und außerdem voller Schlamm, nicht zu vergessen waren wir alle - trotz Autan und langer Kleidung - komplett zerstochen.
Nach einer zweistündigen Pause, in der mir ein Stück rohes Fleisch auf mein Auge geklatscht wurde, um die Schwellung zu lindern, hieß es für uns dann schon wieder auf zur nächsten Tour - diesmal zur Lagune Limoncoche, die bekannt für ihre Kaimane und Alligatoren ist. Um dort hin zu gelangen, hieß es für uns erstmal wieder Kanu fahren, bis wir irgendwann an Land gingen, wo ein Bus auf uns wartete, der uns in eine kleine Gemeinde (dort sah ich übrigens ein Kleinkind im Garten mit einer Machete spielen) brachte, wo sich die Lagune befindet. Dort angekommen gings dann wieder ins nächste Kanu, das von zwei Jungs gesteuert wurde. Die Lagune unterscheidet sich vom Fluss eigentlich nur in der Tatsache, dass sie eben ein See ist und das Wasser nicht fließt, wer sich da etwas spektakuläreres vorgestellt hat, den muss ich enttäuschen - sie ist aber so schon spektakulär genug. Auch dort sahen wir, als es noch hell war, unzählige verschiedene Vogelarten und auch ganz viele Totenkopfäffchen. Als es dunkel wurde, wurde es dann spannender, denn in der Dunkelheit kommen die Kaimane und Alligatoren aus ihren Löchern gekrochen. Um diese in dem riesigen See aufzuspüren, muss man nur mit einer Taschenlampe über das Wasser ( am besten nah am Ufer) leuchten, denn die Augen dieser Reptilien reflektieren das Licht, sodass, falls man eines gefunden hat, einen auf einmal zwei leuchtende rote Kreise aus der Dunkelheit heraus anstarren. Wir hatten enormes Glück, denn anstatt stundenlang über den See zu fahren und zu suchen, hatten wir gleich nach Anbruch der Dunkelheit einen Kaiman entdeckt - sogar einen ziemlich großen, denn laut dem alten Mann ( und der kennt sich aus) maß dieser Kaiman mindestens um die 3 Meter. Wir waren sogar in der Lage, uns dem Reptil sehr stark zu nähern, am Ende waren wir so nah, dass uns nicht einmal mehr anderthalb Meter von ihm trennten. Zum Glück blieb das Tier ruhig ( denn eigentlich ist das ganze ja echt gefährlich, deshalb durfte man sich auch auf keinem Fall dem Rand des Kanus nähern), sodass wir genug Zeit hatten, es anzusehen und sogar Fotos zu machen, bis es letztendlich genug hatte und untertauchte. Danach fuhren wir weiter über den See, wobei wir mit den Taschenlampen umher leuchteten und aus jeder Ecke blitzten uns auf einmal diese leuchtend roten Augen entgegen - was ziemlich gruselig sein kann. Wir fuhren jedoch nicht über den ganzen See, da es weiter hinten immer gefährlicher wird, sodass sich dort nicht einmal die Guides hin trauen, da es dort noch größere Kaimane und sogar Boas und Anacondas gibt.
Ziemlich bald machten wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg und da es von einem Ende der Lagune zum anderen etwas dauerte, begannen wir, uns mit Susanna zu unterhalten, die eigentlich dafür zuständig war, dem Kanu den weg über die Lagune zu leuchten, bzw. auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen. Da sie aber abgelenkt war, ging sie ihrer Aufgabe nicht nach, weshalb auf einmal, plötzlich und völlig aus dem nichts ein Fischerboot direkt vor der Nase unseres motorbetriebenen Kanus auftauchte, sodass keine Zeit zu bremsen oder auszuweichen war und wir volle Kanne in das Kanu des Fischers hineinbretterten, sodass es sich überschlug und den Insassen ins Wasser katapultierte. Mega erschrocken drehten wir natürlich sofort um, um ihm zu Hilfe zu eilen, sein Boot umzudrehen und ihm dort wieder hinein zu helfen, vor allem weil das ganze ja nicht ungefährlich war, da der ärmste mitten in der Dunkelheit plötzlich im Wasser hing - mit unzähligen riesigen Kaimanen und Alligatoren zusammen! Zum Glück konnte ihm schnell geholfen werden und wir erholten uns relativ bald auch schon wieder von dem Schock. Später erfuhren wir, dass der Gute auch nicht ganz unschuldig an dem Aufprall war, denn eigentlich ist das Fischen erstens nur den Einheimischen - und nur zum Eigenverzehr - gestattet und zweitens ist das Fischen nachts nur am Ufer erlaubt und nicht mitten auf dem See.
Erschöpft kamen wir an diesem Abend im Camp an, aßen zu Abend, während wir mit einigen Gruselgeschichten beglückt wurden und begaben uns dann relativ bald in unsere Hütte, wo ein riesiger giftgrüner Salamander ( ca. 30 cm) es sich an der Zimmerwand bequem gemacht hatte - das ist der Dschungel wie er leibt und lebt! Nichtsdestotrotz schmiss ich mich ins Bett und schlief - dank der Gruselgeschichten zwar nicht wie ein Stein, aber ich schlief.
3.12.
Dieser Morgen begann für uns noch früher als der vorherige, wir wurden nämlich schon um 5:15 geweckt, denn heute sollte es zu einem Aussichtsturm im Dschungel gehen,um Vögel zu beobachten. Gestärkt mit einem außergewöhnlicheren Frühstück ( es gab Pancakes) machten wir uns mit dem Kanu auf den weg, um nach einer halben Stunde am Aussichtsturm, der ca. 40 Meter hoch ist, anzukommen. Von dort oben aus kann man über den ganzen Dschungel schauen, der - bis auf die Himmelsrichtung, in der der Fluss liegt, bis zum Horizont hin kein Ende nimmt, das ganze gleicht wirklich einem Meer aus Wald, Wald und nochmal Wald. Außerdem konnte man so weit oben unzählige Vogelnester sehen - außerdem gesehen haben wir Loros, Tucane, Schmetterlinge und gehört ( aber leider nicht gesehen) haben wir Affen.
Auf dem Weg zurück zum Kanu haben wir dann noch einen riesigen Wurm gefunden ( bestimmt 40 cm lang), der super schleimig war und an manchen Stellen haarige Beine wie eine Spinne hatte - ich konnte mir es trotzdem nicht nehmen lassen, ihn auf die Hand zu nehmen.
Weiter ging es dann für uns mit dem Kanu zu einem indigenen Dorf mitten im Dschungel, wo hauptsächlich Frauen wohnen, die für Touristen ihr Leben dort in drei Stationen vorstellen. Die erste Station bestand daraus, uns einen typischen einheimischen Tanz vorzuführen, der von verschiedenen Instrumenten ( Trommerl bespannt mit Affenhaut, leerer Schildkrötenpanzer) und Gesang begleitet wurde und bei dem wir am Schluss sogar mittanzen sollten.
Bei der zweiten Station wurden uns verschiedene traditionelle Kochutensilien und typisches Essen vorgestellt, wir durften sogar einen typischen Tee und ein Getränk aus fermentiertem Yuca probieren, das so ähnlich wie Ziegenkäse schmeckte. Außerdem wurden uns verschiedene Waffen der Eingeborenen vorgestellt, mit denen Tiere gejagt werden.
Die dritte Station bestand dann aus einem kleinen Laden, in dem die indigenen Frauen selbstgemachten Schmuck, Taschen, Kochutensilien und tradtionelle Kleidung verkauften, um das Dorf weiterhin zu finanzieren. Ich habe mir dort ein Armband gekauft.
Nach dem Besuch bei den Eingeborenen ging es für uns dann zurück ins Camp, das wir, nach duschen und Mittagessen auch schon leider verlassen mussten, denn unsere drei Tage waren vorbei.
Auf der Bootsfahrt nach Hause ging uns dann plötzlich der Tank aus, und obwohl viele der wichtigen Ölbohranlagen Ecuadors genau am Ufer dieses Flusses liegen, mussten wir warten, bis Fredys Vater uns von zu Hause mit Öl zur Hilfe eilte. Während der Wartezeit hielten wir an einer Sandbank, wo wir kurz ausstiegen und das schöne, sonnige Wetter noch einmal genossen, bevor es zurück ins kalte Quito gehen sollte.
Als wir dann endlich in zurück in Coca ankamen, wartete der Rest der Familie schon in der Hütte des Touristenbüros auf uns. Wir wurden von der Mutter der Familie und einer anderen Schwester dann sogar damit überrascht, dass sie unsere dreckige Wäsche, die wir aus Mindo mitgebracht hatten, bei sich zu Hause gewaschen und zum trocknen aufgehängt hatten, außerdem bekamen Steffi und ich von den beiden sogar nochmals indigenen, selbstgemachten Schmuck geschenkt.
Um unsere Klamotten abzuholen, fuhren wir dann noch ein letztes mal mit dem Kanu über den Fluss zum Haus der Familie, das direkt am Ufer gelegen ist und eher eine ziemlich provisorisch zusammengezimmerte Holzuhütte als ein wirkliches Haus ist. Trotzdem scheint die Familie damit total glücklich zu sein und es scheint ihr gut zu gehen - da sieht man mal wieder, Besitz ist nicht alles.
Da das Haus ziemlich weit entfernt vom Busbahnhof im eher ärmeren Teil der Stadt liegt, bestellte die Mutter uns dann ein Taxi. Dieses Taxi war ein Pick- up Truck und da es in diesem Stadtteil anscheinend etwas krimineller zugeht, sollte sich jemand hinten auf die Ladefläche zu den Koffern setzen, um auf sie aufzupassen - das erledigte ich. Während der Fahrt bekam ich dadurch ziemlich gut noch ein paar Eindrücke vom Leben in diesem Teil der Stadt - dort gibt es - anders als im Zentrum - keine befestigten Straßen und fast jeder dort lebt in irgendwelchen schäbig zusammengezimmerten Hütten - alles in allem schienen die Menschen dort ziemlich arm zu sein.
Am Busterminal angekommen hatten wir dann noch 2 Stunden Zeit, bis unser Bus zurück nach Quito fuhr, deshalb gönnten wir uns noch arroz con pollo zum Abendessen, bis wir uns schließlich um 21:15 Uhr auf den Heimweg machten. Am nächsten morgen kamen wir um 5 Uhr zu Hause an, schmissen uns verfroren sofort wieder ins Bett und schliefen bis um halb 12 - das hatten wir uns nach der langen, aufregenden und anstrengenden Reise auch verdient.
So, dieser Eintrag ist nun wirklich meeeega lang geworden, aber ich wollte euch unbedingt bis ins kleinste Detail an meinen Erlebnissen in der letzten Zeit teilhaben lassen, da das ganze für mich momentan ja noch sehr neu ist und ich - meiner Meinung nach - in dieser kurzen Zeit, in der ich jetzt hier bin schon ziemlich viele aufregende Dinge erlebt habe. Ich hoffe, dass die Einträge in nächster Zeit nicht mehr so lang werden, denn ich will ja auch niemanden überfordern oder gar langweilen! Ich glaube aber, dass ich in nächster Zeit auch nicht soooo viel außergewöhnliches zu erzählen haben werde, da für mich hier jetzt hoffentlich erstmal der Alltag einkehrt!
Ich freue mich sehr, falls ihr nicht vor der Länge dieses Eintrags zurückgeschreckt seid und ihn bis zum Ende durchgelesen habt! Dann verdient ihr echt einen Klaps auf die Schulter!
Wie immer hoffe ich, dass es euch allen gut geht. Passt auf euch auf und vergesst nicht, ab und zu hier vorbeizuschauen :)!
| im Pick-up auf dem Weg zum Wasserfall |
| jaa man sieht, ich hatte richtig Lust auf das Ganze :D |
| auf dem Weg zum Wasserfall |
| unser Guides Susana und Fredy :) |
| der Abstieg - da gings mir noch gut ohne das ganze Wasser :D |
| im Kanu auf dem Weg zum Camp |
| "in" dem 500 Jahre alten Baum |
| ich & mein Batzen rohes Fleisch (Y) |
| der riesige Kaiman |
| Limonchoche bei Sonnenuntergang |
| auf dem Aussichtsturm |


