Sonntag, 23. November 2014

C wie Chaos

So, endlich lass ich jetzt auch mal von mir hören! Wir hatten die ersten Tage hier kein Internet, deshalb komme ich erst jetzt dazu, mal ein bisschen was zu berichten. Gleich vorneweg: ich hab einiges zu erzählen, deswegen wird dieser Eintrag vermutlich etwas länger und etwas chaotisch. Ich fang jetzt einfach mal an, ein bisschen von den ersten Tagen hier zu erzählen, macht euch gleich darauf gefasst, den schlechtesten Eintrag seit der Geschichte des Bloggens zu lesen! 

20.11.
Da der Flug ja wie gesagt schon so früh ging, hatte ich beschlossen, die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nicht zu schlafen, da es sich meiner Meinung nach nicht unbedingt gelohnt hätte und ich wahrscheinlich eh nicht hätte einschlafen können ( das sollte ich später noch bereuen :D). Bis auf ein paar Minuten Schlaf vor dem Fernseher war ich also die ganze Nacht wach, bis ich um 3 Uhr morgens "aufgestanden" bin und mich fertig gemacht hab. Um ca. 4:15 Uhr sind wir dann los gefahren und haben auf dem Weg nach Nürnberg noch Matthias, ein Mitglied des CVJM Erlangen, aufgesammelt, der zufälligigerweise den gleichen Flug wie ich gebucht hatte, um hier in Quito für 3 Wochen Urlaub zu machen. 
Nach einem Tränenreichen Abschied am Flughafen gings dann auch schon los nach Amsterdam. Obwohl ich mega müde war konnte ich - vor Aufregung - natürlich nicht schlafen. In Amsterdam hatten wir dann 2 einhalb Stunden Aufenthalt, die aber wie im Flug ( höhö) vergingen. 
Das Flugzeug, das uns nach Quito bringen sollte, war total voll riesengroß. Matthias und ich saßen während dem Flug nebeneinander, was echt cool war, weil man so jemanden zum Unterhalten hatte. Dadurch und durch Schlaf und Seriengucken verging auch dieser Flug eigentlich echt schnell und verlief reibungslos. Aus diesem Grund sind wir überpünktlich um 16:15 Ortszeit nach ca. 12 Stunden in Quito angekommen. Abgeholt wurden wir von Pancho, meinem Gastbruder, und zwei Freunden, einer davon, Diego, ist auch im ACJ ( meiner Arbeitsstelle) tätig und total nett und lustig. Wir haben also unser ganzes Gepäck auf Panchos Pick-up gepackt und sind losgefahren. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt hat ewig gedauert, ungefähr 2 Stunden. Wir haben zuerst Matthias bei seinem Hostel abgeliefert, wo er sein Gepäck verstaut hat und ich Steffi kennen gelernt habe, ein weiteres Mitglied des CVJM, die schon seit einem Monat hier in Quito bei den Rosas wohnt und mit der ich mir jetzt ein Zimmer teile :) -  meine deutsche Gastschwester also. Außerdem kennen gelernt habe ich noch Santi, ein Ecuadorianer ( ebenfalls tätig im ACJ), der schon einige Male länger in Deutschland war und deswegen total gut deutsch spricht ( auch er ist mega nett). Nachdem Matthias seine Koffer verstaut hatte, sind wir alle zusammen essen gegangen - Diego hat uns eingeladen. Zu meiner großen Überraschung gab es arroz con pollo (Hühnchen mit Reis)! ( und Linsen und Kochbananen). Nach dem Essen in der Stadt haben wir uns von Diego, Santi und Matthias verabschiedet und sind nach Hause zur Familie gefahren, die auch schon mit noch mehr Essen auf uns gewartet hat. Momentan wohnen hier mit Steffi und mir zusammen unsere Gastelteren und deren Söhne Pancho ( 27) und Vito (26) sowie die Tochter Natalia (30). Zum Abendessen zuhause gab es Gambas mit Pommes, was aber anscheinend auch nicht gerade untypisch für Ecuador ist. 
Nach dem Essen saßen wir noch mit der Familie im Wohnzimmer zusammen und haben uns ein bisschen unterhalten, ich war dann aber sehr müde, deswegen sind Steffi und ich auch ziemlich bald ins Bett gegangen. Zu unseren Wohnverhältnissen: Steffi und ich wohnen in einer Art kleinem Anbau, teilen uns ein Schlafzimmer und haben zudem noch ein eigenes Wohnzimmer und ein eingenes Bad. 
Die Familie hat 3 "Wachhunde". Zwei kleine Pudel, die aussehen wie Putzlappen und einen etwas größeren Hund, der Obama heißt ( weil er braun ist :D).
Wir wohnen ziemlich weit im Süden der Stadt, im Barrio Nuevo, wo es aber noch einigermaßen sicher ist, denn je weiter man in den Süden kommt, desdo gefährlicher soll es hier in Quito anscheinend werden. 

21. 11. 
Am nächsten Morgen mussten Steffi und ich schon relativ früh aufstehen ( ich hatte also nicht viel Schlaf und war dementsprechend und wegen des Jetlags noch total müde), weil wir zum ACJ fahren mussten, da dort eine Präsentation bzw. ein Gespräch mit Schülern stattfinden sollte, das ein wichtiges Thema behandelte, nämlich die Gewalt gegenüber der Frau. Diese Veranstaltung fand im Zuge des día de la violencia contra la mujer ( oder so ähnlich) statt, der hier offiziell am 25.11. "gefeiert" wird. 
Dort im ACJ habe ich gleich meine ganzen Kollegen und Chefs kennen gelernt, die alle auch total offen und nett waren. 
Auch die Veranstaltung hat mir gut gefallen, sie war total interessant, vor allem war es interessant mitzubekommen, wie die Rolle der Frau hier in Ecuador definiert ist. Das war aber zugleich auch etwas schockierend, denn die Emanzipation wie wir sie aus Deutschland kennen, steht hier gerade noch in den Startlöchern, die Frauen werden teilweise behandelt wie damals in Spanien unter der Diktatur Francisco Francos und auch Gewalt ( psychisch wie physisch) sind hier anscheinend nicht selten. Auch ist es hier demnach total üblich, dass den Frauen alleine die Kindererziehung auferlegt wird und die Männer sie dabei nicht unterstützen. Dieses Problem habe ich während des Vortrags sogar live erleben können, denn es war ein Mädchen anwesend, das bereits ein Baby hatte, und dieses sogar mit in die Schule nehmen musste, weil der Vater sich nicht darum kümmert. 
Trotzdem war es schön zu sehen, dass sich auch hier die Mentalität langsam wandelt, denn die Jugendlichen - Jungen wie Mädchen - haben sich während des Gesprächs sehr offen gezeigt und selbst die Jungs waren der Meinung, dass sich in der Gesellschaft und der damit verbundenen unterdrückten Rolle der Frau etwas ändern musste.
Im Zuge der Veranstaltung wurde auch die Arbeit des ACJ erklärt, also erfuhr ich hier gleich, woraus im nächsten halben Jahr meine Aufgaben bestehen werden. Der ACJ veranstaltet so etwas wie Mittagsbetreeungen für Schulkinder, die sie nach der Schule besuchen können, um dort mit uns u. a. zu spielen. Dadurch versucht der ACJ, die Kinder so lange wie möglich sozusagen von zu Hause weg zu halten, denn würden die Kinder nach der Schule nach Hause gehen, müssten sie dort ihre Eltern durch Arbeit unterstützen. Durch unsere Arbeit versuchen wir also, die Kinder so gut es geht vor Kinderarbeit zu schützen. Meine Kollegen besuchen unter anderem auch regelmäßig die Familien zu Hause, um sich mit den Eltern zu unterhalten. 
Nach dem Vortrag gab es für alle anwesenden Mittagessen und Saft. Danach sind Steffi und ich ins historische Zentrum Quitos gefahren, um uns dort mit Matthias und Johanna, einer Freundin von Steffi, die zufälligerweise mit Weltwärts in Quito ist, zu treffen und in ein Café zu gehen. Nach dem Cafebesuch sind wir zur Plaza Granda gelaufen, wo zufälligerweise ein total Trubel stattfand, da der Präsident Paraguays zu Besuch war. Dank dieses Zufalls habe ich also den Präsidenten von Paraguay und noch dazu den Präsidenten von Ecuador gleich an meinem ersten Tag live gesehen :D
Als wir nachmittags nach Hause gekommen sind, habe ich meinen Koffer ausgepackt und dann haben Steffi und ich uns auf den Weg zur Partymeile Quitos gemacht, um uns dort mit Matthias, Santi, Diego und Marco ( noch ein Ecuadorianer, 28 :D ) in einer deutsch angehauchten Bar zu treffen. Dort haben wir uns sehr lange unterhalten, bevor wir zum Tanzen eine Disko ansteuerten. In der Disko habe gelernt, wie wichtig Tanzen für die Ecuadorianer ist und wie sehr sich die Tanzstile der deutschen und der Menschen hier unterscheiden, denn natürlich haben die Ecuadorianer den Rhytmus im Blut und beim Tanzen auch keine Berührungsängste ( Matthias und ich kamen überein, dass Frauen, wenn sie bei uns in Deutschland so tanzen würden wie die Frauen hier, als krasse Schlampen bezeichnet werden würden :D). Da ich natürlich nicht so der Tänzer bin und keinerlei Taktgefühl besitze, wurde ich erstmal schön für meinen Tanzstil verarscht und ausgelacht :D Später habe ich dann aber mit Santi ( der eine Tanzgruppe leitet) Merengue getanzt und dabei habe ich mich laut ihm sogar gar nicht soooo schlecht angestellt. 
Nach einigen durchschwitzten Stunden waren wir irgendwann alle sehr erschöpft und haben uns ein Taxi genommen und sind nach Hause gefahren. Es war ein sehr sehr witziger aber auch extrem anstrengender Tag und ich war immer noch gejetlagged und dementsprechend totmüde und dankbar, endlich schlafen zu können.

22.11
Pustekuchen! Lange schlafen war nicht, denn wir mussten schon um halb 7 aufstehen, weil wir geplant hatten, nach Papallacta zu fahren, ein Ort, der mit dem Bus ca. 2 einhalb Stunden entfernt liegt und bekannt für seine Thermalbäder ist. Dort angekommen haben wir erstmal in einem kleinen Restaurant gefrühstückt, es gab Brombeersaft, Kaffee, Rührei, Brot mit Käse und, wer hätte es gedacht, arroz con pollo - und das alles für insgesamt 3 Dollar! Gestärkt von der guten und vor allem abwechslungsreichen Küche haben wir uns dann von einem Pick-up den Berg hinauf zu den Thermalbädern fahren lassen. Die Bäder bestehen aus vielen kleinen Becken verschiedener Temperatur, die durch einen Vulkan in der Nähe aufgeheizt werden. Durchschnittlich war das Wasser ungefähr 45 Grad warm, wir konnten uns also richtig schön aufwärmen und entspannen  (denn in Quito und Umgebung ist es ja dank der Höhe immer ziemlich frisch) und noch dazu die wunderschöne Berglandschaft bewundern. Insgesamt waren wir 4 Stunden im warmen Wasser Baden und unsere Hände sahen dementsprechend später aus wie die alter Waschweiber :D . Auf dem Fußweg zurück runter ins Dorf zur Bushaltestelle haben wir kurz einen Abstecher auf einem kleinen Stadtfest gemacht, das zufälligerweise genau an diesem Tag stattfand und eine Kleinigkeit zu Essen gekauft, um danach zufrieden und entspannt in den Bus einzusteigen und nach Hause zu fahren. Dort angekommen wurden wir natürlich sofort mit essen empfangen, es gab zur Feier des Tages etwas ganz besonderes - arroz con pollo! Nach dem Essen haben wir uns noch etwas mit der Familie unterhalten und sind dann schlafen gegangen. 

23.11. 
Heute hatten wir endlich mal nichts vor, was bedeutete, dass ich endlich mal Zeit zum schlafen hatte! Und wie das eben immer so ist, wenn man ausschlafen könnte, kann man nicht schlafen, wesgwegen ich seit heute morgen um halb 6 Stündlich aufgewacht bin und ewig nicht mehr einschlafen konnte. Um ungefähr 10 Uhr haben wir gefrühstückt ( zum Frühstück gibt es hier übrigens immer eine Tasse Milch mit ganz wenig Kaffe, Eier und Brötchen, die aber mehr eine Mischung aus Brötchen und Butterhörnchen sind). Nach dem Frühstück war erstmal descansar angesagt, bald gab es dann aber schon Mittagessen - heute ausnahmsweise mal pollo con arroz!  Nach dem Essen konnten wir uns endlich aufraffen, ins Centro Comercial zu fahren, um mir ein billiges Handy und eine SIM- Karte zu kaufen, damit ich auch mit den Leuten hier kommunizieren kann ( denn mein Smartphone lasse ich ja immer im Haus). Daraufhin sind wir zur großen Statue der Virgin von was auch immer ( in Ecuador gibt es in jedem Ort eine Jungfrau für alles) gefahren, haben dort eine typische Süßspeise gekauft, die man hier anscheinend zur Weihnachtszeit isst und dann ging es ab nach Hause. Dort angekommen haben wir ( wenn ich wir sage meine ich meistens Steffi und mich) mit Vito zusammen World War Z begonnen anzusehen, wurden dann aber vom Abendessen unterbrochen ( ausnahmsweise gab es mal arroz con sin pollo). Später haben wir den Film zuende geschaut und jetzt liege ich grade im Bett und rotze diesen ganzen Kram hier hin.

Allgemein kann ich sagen, dass es mir bis jetzt hier ziemlich gut gefällt, die Familie ist sehr sehr nett und kümmert sich total toll um uns und was vor allem mega cool ist, ist dass Steffi und ich hier zusammen wohnen. Morgen ist mein erster Arbeitstag mit den Kindern und ich bin wirklich gespannt, wie das sein wird. Ich werde auf jeden Fall davon berichten, falls jemand nach dieser sprachlichen Glanzleistung hier ( Vorsicht, Ironie!) und meiner Stärke, Erlebtes spannend und interessant wiederzugeben ( Aaachtung, ebenfalls Ironie!) überhaupt noch jemand von euch Lust hat, den Blog weiterhin zu lesen. 

So, wer von euch bis hierher gelesen hat, ohne eingeschlafen zu sein oder einen Anfall bekommen zu haben, der hat entweder echt kein spannendes Leben oder interessiert sich tatsächlich dafür, wie es mir hier so geht und was ich so erlebe. Letzteres würde mich natürlich mega freuen und motivieren, hier weiterhin Aktiv zu schreiben, denn ich kann euch eins sagen - einfach ist das nicht und besonders viel Spaß macht es auch nicht, vor allem wenn man so einen Berg auf einmal zu erzählen hat wie ich gerade :D 
Jedenfalls, danke fürs Lesen, ich hoffe es geht euch allen gut! 
Ihr hört bestimmt demnächst von mir, bis dahin, haltet die Ohren steif!



Das war in Papallacta 

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