Mittwoch, 7. Januar 2015

I wie Idylle

-Dass der Eintrag erst so spät veröffentlicht wurde, liegt daran, dass ich ewig total schlechtes Internet hatte.-

So, ich sollte jetzt vielleicht auch langsam mal erzählen, wie ich Silvester bzw. Neujahr hier verbracht habe. Wie bereits erwähnt, ist Silvester hier ein Fest, das man mit der Familie verbringt und da unser Gastvater aus einem kleinen Dorf in den Bergen namens Sigchos kommt und seine Mutter dort immer noch lebt, hat es uns ebenfalls dort hin verschlagen, um das neue Jahr mit einem Teil der Familie des Vaters ( er hat 11 Geschwister, die alle Ehepartner und Kinder haben - seine Familie ist dementsprechend groß) zu feiern.
Eigentlich war geplant, dass Pancho und ich am 31. Dezember mit Freunden von ihm, die ebenfalls Familie in Sigchos haben, schon früher als der Rest der Familie los fahren. Im Endeffekt sind wir dann aber - ganz nach ecuadorianischer Manier - dreieinhalb Stunden später gefahren als der Rest.
Da an diesem Tag natürlich noch mehr Verkehr in der Stadt herrschte als sonst, dauerte die Fahrt ungefähr drei Stunden.
Jedoch wurden wir nicht nur vom Verkehr, sondern auch von einem typisch ecuadorianischen Brauch aufgehalten. Hier ist es nämlich üblich, dass die Männer sich an Silvester als Frauen verkleiden und auf die Straße gehen, den Autos den Weg versperren und sie nur gegen eine kleine Spende weiterfahren lassen. Diese süßen Transvestiten haben uns also ebenfalls nochmal einige Minuten aufgehalten, und das in jedem Kaff, durch das uns unser Weg geführt hat.
Als wir dann endlich in der Dunkelheit in Sigchos ankamen, war es schon fast 8 Uhr, deshalb machten wir uns, nachdem wir unsere Sachen im kleinen Ferienhaus, das die Familie dort besitzt ( sie haben dort sogar einen großen Garten, eigene Hühner und Meerschweinchen) abgelegt hatten, auf dem Weg zum Haus der Großmutter, das ein paar Schritte die Straße hinunter gelegen ist und in dem wir schon vom Rest der Familie erwartet wurden. Es war - wie gesagt - nur ein Teil der Familie anwesend, wir waren so ca. 25 Leute. Wir setzten uns alle ins Wohnzimmer des Hauses und es wurde sofort begonnen, sich zu unterhalten -und natürlich durfte auch der Alkohol nicht fehlen. So wurde gleich die erste Flasche Schnaps geöffnet und immer jeweils ein Glas herum gereicht. Das ging so einige Zeit weiter, bis Rocío mir irgendwann vorschlug, mit mir, Natalia, ihrem Mann Pablo und den Kindern zum Marktplatz des Dorfes zu fahren, da dort anscheinend eine kleine Show stattfinden sollte. Diese bestand aus Gesang und Tanz sowie einer Parodie der Weihnachtsgeschichte. Danach machten wir uns auf dem Weg zum Ferienhaus, da dort der Truthahn bereits fertig im Ofen auf uns wartete. Um ca. 11 Uhr aßen wir dann also zu abend, es gab wie gesagt Truthahn ( con arroz, wer hätte es gedacht) und Gemüse. Nach dem Essen mussten wir uns beeilen, wieder zum Haus der Großmutter zu kommen, denn mittlerweile fehlte nur noch eine viertel Stunde bis Mitternacht.
Hier sind Feuerwerke nicht so üblich, aber das, was eigentlich jeder an Silvester macht, ist, das año viejo ( also das alte Jahr) zu verbrennen. Das heißt, es gibt einen kleinen Haufen mit Holz, der angezündet wird. Viele Leute kaufen sich ( oder machen sie selbst) Puppen aus Pappe, die ebenfalls verbrannt werden. Zur Zeit um Silvester herum gibt es diese Puppen in jeder Form und Größe überall in Quito zu kaufen - so sind zum Beispiel Spiderman oder andere Filmfiguren aus Pappe, aber auch Politiker - wie der Bürgermeister von Guayaquil- dort zu finden. Ein weiterer Brauch ist, seine Wünsche für das neue Jahr auf einen Zettel zu schreiben und diesen ebenfalls auf den "Scheiterhaufen" zu werfen.
So wurde als bei uns um Mitternacht das Feuer entzündet, wir wünschten uns alle ein frohes neues Jahr und warteten draußen, bis das Feuer erlosch. Danach begaben wir uns wieder ins Wohnzimmer, es wurde weiter getrunken ( und natürlich auch getanzt), bis alle irgendwann erschöpft ins Bett gingen. Am nächsten Tag haben wir, außer einer kleinen Wanderung durch die Berge, bei der uns einige Kühe den Weg versperrt hatten, nicht wirklich viel unternommen, außer, dass mir unsere Gastmutter den Garten, den die Familie dort hat, gezeigt hat. Dort wachsen Baumtomaten, Avocados, Bohnen und Mais. Außerdem haben sie dort in einem Stall Hühner und Meerschweinchen, die wohl leider für den Verzehr gedacht sind. Wenn die Familie grade nicht in Sigchos ist, kümmert sich ein ( ich glaube indigenes) Ehepaar um den Garten und die Tiere, die beiden wohnen auch in einer eher heruntergekommenen Hütte auf dem Grundstück.
Einen Tag später haben wir dann einen Ausflug mit dem Pickup Truck zu einem Dorf etwas weiter entfernt - ebenfalls in den Bergen - gemacht, wo wir die Landschaft, die sehr an die schweizer Alpen erinnert, genossen haben. Wir sind dann auch zu einer Käserei gefahren, die aber leider geschlossen hatte.
An unserem letzten Tag in Sigchos war die Familie den ganzen Vormittag damit beschäftigt, das Ferienhaus zu putzen und aufzuräumen, danach sind wir in ein Restaurant gefahren - und da kam der Schock für mich. Es war endlich soweit - die Familie lud mich zum Cuy ( also Meerschweinchen) essen ein! Traditionell wird das Cuy in der Sierra mit Kartoffeln und Erdnussoße serviert. Es gibt zwei verschiedene Arten von Cuy, das eine bekam nur Trockenfutter zu fressen und dessen Fleisch ist demnach etwas fetter, wohingegen die andere Sorte nur Gras zu fressen bekam und dessen Fleisch deshalb magerer ist. Obwohl in diesem Restaurant die erste Sorte serviert wurde, war natürlich trotzdem kaum Fleisch an den Knochen des armen Meerschweinchens, dessen Kopf hier sogar mit gegessen wird ( das Lieblingsstück meines Gastvaters).  Ich muss ehrlich sagen, dass mir Cuy überhaupt nicht schmeckt und dass mir sogar beim Essen etwas schlecht geworden ist - und das liegt nicht nur daran, dass ich es mega grauenvoll finde, ein süßes kleines Meerschweinchen zu essen! Der Geschmack des Fleisches ist einfach ekelhaft, teilweise sogar fischartig ( ich als - normalerweise - Vegetatier kann den Geschmack aber sowieso mit keinem eines anderen Tieres vergleichen, manche Leute hier meinen, es ähnelt Hühnchen, andere sagen, es schmeckt wie Kaninchen). Trotz allem habe ich das ganze Stück aufgegessen, da die Familie so stolz war, mir endlich das berühmte Cuy auftischen zu können.  Nach dem Restaurantbesuch ging es für  uns dann leider aus dem idyllisch ruhigen Sigchos wieder in die nervtötende, erdrückende Großstadthölle Quito. Es war wirklich schön, dieser mal für ein paar Tage entkommen zu können und in Sigchos einfach zu entspannen und die Natur zu genießen und außerdem eben zu erfahren, wie hier Silvester gefeiert wird. Die Erfahrung mit dem Cuy hätte ich mir allerdings sparen können!  Das schlimmste war, dass eine indigene Frau aus Sigchos unserer Mutter bei der Abreise noch zwei tote Meerschweinchen mitgegeben hat, was bedeutete, dass es bei uns daheim in Quito ein paar Tage nach der Rückkehr schon wieder Cuy zu essen gab -und diesmal musste ich sogar sehen, wie es im ganzen in den Ofen geschoben wurde! Guten Appetit sag ich da nur, falls einer von euch ein Meerschweinchen daheim hat und mal was neues ausprobieren will, einfach häuten, schön mit Salz einreiben und ab in den Ofen...

6 Kommentare:

  1. Cuy mit fell ist irgendwie hübscher...

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  2. Gefällt mir , was die Männer an Sylvester treiben . Eventuell kann man das ja hier in Franken auch einführen . Auch die Tradition , das alte Jahr zu verbrennen , hat was . Cuy kommt uns Meerschwein-affinen Tierfreunden natürlich nicht in die Pfanne . Allerdings sollte man nicht vergessen , dass auch bei uns z.B. Kaninchen verspeist werden . Jede Kultur hat halt ihre Eigenarten . Essen beziehungsweise das , was auf den Teller kommt , ist ja auch immer den Gegebenheiten geschuldet .
    Unsere AntiBiotika verseuchte Massentierhaltung produziert sicherlich weniger geschmackvolles Fleisch .

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  3. Deshalb bin ich in Deutschland vegan. Und trotzdem ernähren wir uns in Deutschland tausendmal gesünder und bewusster als die Menschen hier, hier hat so gut wie niemand Ahnung von Ernährung.

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  4. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  5. haha wie gut ist auch einer als Frank auf die Straße gegangen ? und wenn ja
    who wore it better :D
    Und ich warte auf einen neuen Eintrag... Galapagosinseln mit min. 1000 Bildern

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  6. ich bin auch für mehr bilder
    lg ina =)

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