Sonntag, 28. Dezember 2014

H wie Heiligabend

So, etwas zu spät, aber besser spät als nie, sollte ich jetzt vielleicht mal von meinem Weihnachten hier berichten. "Weihnachtsstimmung" ( wenn man das überhaupt so nennen kann) kam bei uns bereits am 23.12. auf, da wir vom ACJ zu einem Weihnachtsessen in der Filiale eingeladen wurden. Alle wichtigen Vorstände des ACJ waren da, ebenso einige Jugendliche, die dort Freiwillig arbeiten. Eingeleitet wurde der Abend mit einigen Reden der Vorsitzenden, danach folgte eine Vorführung einer Tanzgruppe, die typische einheimische Tänze vorführte. Darauf folgte das Essen, das von einer Catering- Firma ausgerichtet wurde. Zu meiner Überraschung boten die sogar endlich mal eine vegetarische Version des Essens an, das nutzte ich natürlich sofort freudig aus, und so gab es für mich endlich mal kein pollo oder sonstigen Spaß - sondern gefüllte überbackene Champignons, überbackene Aubgerine, Reis, Ofenkartoffeln und Salat. Nach dem Essen trat dann eine Band auf, die natürlich ecuadorianische Musik spielte und nach einigen Lieder wurden wir - ganz typisch - alle aufgefordert, das Tanzbein zu schwingen. Irgendwann waren alle aber ziemlich erschöpft und mit so viel Essen im Bauch tanzt es sich ja auch nicht so gut, deshalb löste sich die ganze Gesellschaft dann ziemlich bald auf und wir gingen wieder nach Hause. 

Der 24.12. - also Heiligabend oder hier eben Nochebuena - ist eigentlich auch hier in Ecuador wie bei uns in Deutschland der Wichtigste der Weihnachtsfeiertage. Normalerweise feiert man auch hier diesen Abend mit einem großen Essen, danach werden die Geschenke ausgepackt und getrunken und getanzt. So wird das normalerweise auch hier in unserer Familie gemacht - nur dieses Jahr nicht, da Natalia arbeiten musste, und deshalb erst am 25. nach Quito kommen konnte und da die Familie wollte, dass alle zusammen sind, haben wir am 24. nicht das typische Fest gefeiert, sondern warteten bis zum 25. damit. Den 24. Dezember verbrachten wir also damit, das Essen für den folgenden Tag vorzubereiten. Das typische Weihnachtsessen hier ist pavo ( Truthahn), den wir erstmal auftauen mussten, dann haben wir ihn in mit Gemüse und Salz, Knoblauch und Zwiebeln gekocht, bevor wir ihn mit Würze eingerieben und in den Ofen geschoben haben. Da unser Ofen hier ziemlich langsam ist, dauerte das Backen des Truthahns ganze sieben Stunden! 
Während wir also auf den Truthahn warteten, bereiteten wir weiteres typisch weihnachtliches Essen vor. So zum Beispiel ein süßes Gebäck, das sich Bunuelo nennt - der Teig besteht aus Maismehl, Weizenmehl, Eiern, Milch, etwas Zucker und Salz und man frittiert diesen Teig in Öl. Dazu gibt es ein Gemisch aus Honig, Wein und Zimt, in das man diese Bunuelos dann später eintunkt - sehr, sehr lecker sage ich euch! 
Außerdem haben wir Tamales gemacht - das ist ein Teig aus Maismehl, das wir außerdem mit Eiern, Hühnchen, Erbsen und Rosinen vermischt haben. Das ganze wird dann in die Blätter irgendeiner Pflanze eingewickelt haben ( mir ist leider der Name entfallen). Das ganze wird dann in einem Topf dampf gegart und schmeckt echt lecker.
Da Steffi zum Abendessen bei einer anderen Familie eingeladen war, verbrachte ich den Heiligabend alleine mit unserer Familie zu Hause. Der Abend war wirklich in keinster Weise Weihnachtlich oder anders als andere Abende hier, wir haben nicht einmal alle gemeinsam gegessen. Der einzige Unterschied zu normalerweise war, dass es zusätzlich zu einem Berg Reis und Hühnchen auch noch Tamales und Bunuelos gab. Ach ja - nach dem Essen haben wir dann auch noch einen Weihnachtsfilm angeschaut. Danach bin ich dann ins Bett gegangen, um mich auf den - hoffentlich mehr weihnachtlichen - 25.12. zu freuen. 

Also gut, Weihnachten kann kommen! Am ersten Weihnachtsfeiertag stand ich extra früh auf, um unserer Mutter beim Kochen zu helfen, da die Vorbereitungen des Weihnachtsessen noch lange nicht abgeschlossen waren und es noch sehr viel zu tun gab. Aber zunächst einmal gab es Tamales zum Frühstück, denn obwohl wir noch einen Berg voller Essen für heute vor uns hatten, darf das Frühstück natürlich nicht ausfallen. Danach ging es dann auch schon ans Kochen, zunächst einmal bereiteten wir einen arroz navideno ( Weihnachtsreis) vor, der, da er mit Petersilie gekocht wird, grün ist. Außerdem wird er mit Garnelen, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch angebraten. Das war die erste Beilage. Die zweite Beilage waren gebratene Kartoffeln, ebenfalls mit Petersilie. 
Da der Truthahn nicht genug Fleisch ist, haben wir dann natürlich auch noch Schinken mit in den Ofen geschmissen und für die Vorspeise weitere Garnelen angebraten. Natürlich wollen wir nicht nur ungesund essen, deshalb gab es noch Erbsen, Karotten und Salat. Nach stundenlanger Vorbereitung war das ganze Essen dann endlich fertig und die ganze Familie eingetrudelt, deshalb konnten wir uns endlich an den Tisch setzen und essen, essen, essen. Nach einem Berg voller Essen ging das Programm dann weiter mit einer "Show" die Ismael und der Sohn von Vito - Sebastian - für uns vorbereitet hatten. Sie bestand aus ein bisschen Krippenspiel, Gesang und einigen Witzen - das ganze war eigentlich echt süß. Danach ging es dann ( endlich!) ans Geschenke auspacken. Geschenke bekommen hier aber hauptsächlich nur die Kinder - und das nicht zu knapp. Die drei kleinen haben so einen riesigen Berg voller Geschenke bekommen, dass man hätte denken können es wurde für zehn Kinder eingekauft. Wir bekamen auch eine Kleinigkeit geschenkt und haben unserer Gastfamilie eine Einladung zum Essen geschenkt -beschrieben auf einer Karte die ich liebevollst gebastelt hatte ;D 
Nachdem alle Geschenke ausgepackt waren, schauten wir einige Zeit den Kindern beim Spielen zu, aßen Plätzchen und dann ging es auch schon los mit dem Getanze - das darf hier anscheinend wirklich nieeemals fehlen ( zu meinem Pech :D). Es war aber eigentlich wirklich cool, da die ganze Familie - egal ob groß oder klein - zusammen im kleinen Wohnzimmer zusammen tanzte. Ein paar Stunden ( ja, wirklich Stunden) des Tanzens später, ging es dann ans Abendessen, wo die Reste des Mittagessens ( ja, es ist tatsächlich sogar noch was übrig geblieben, obwohl jeder von uns einen Berg auf seinem Teller hatte!)  aufgetischt wurden. Außerdem gab es auch noch Torte, da der Freund von Natalia zufälligerweise auch noch an diesem Tag Geburtstag hatte.
Nach dem Essen ging es dann weiter mit dem Tanzen, außerdem wurde nun begonnen, zu trinken. Das ganze fing mit Bier an, lief dann über in Wein, später gab es Tequila ( getrunken mit Zitronen gepflückt aus dem eigenen Garten ;) ) und ganz zum Schluss einen Himbeergeist, den ich aus Deutschland mitgebracht hatte. Während des Besäufnisses hatten sich die Eltern sowie Rocio und ihre Familie irgendwann ausgeklinkt, aber der ganze tapfere Rest war sowas von besoffen, dass alle irgendwann sogar aufhörten zu tanzen ( oh Wunder!) und im Halbschlaf mit einem mega - Seier auf dem Sofa rumhingen. Das ganze wurde mir dann so um ein Uhr Nachts irgendwann zu schnöde und ich war sowas von vollgefressen und müde, dass ich beschloss, mich auch zu verabschieden und ins Bett zu gehen. 

Der zweite Weihnachtsfeiertag wurde ebenfalls mit der ganzen Familie verbracht, wir machten einen Ausflug zur mitad de mundo - also zur "Mitte der Welt". Dieser Ort soll angeblich direkt am Äquator liegen, es gibt dort ein riesiges Denkmal und allen möglichen Kram, die Linie des Äquators ist sogar eingezeichnet - leider haben sich die Genies, die das ganze errichtet haben etwas verrechnet, deshalb liegt der ganze Spaß leider nicht exakt in der Mitte der Welt. Schade aber auch, wir haben uns nicht dran stören lassen, dort ist es nämlich trotzdem richtig richtig schön, und es macht sich ja ganz toll, dort Fotos zu schießen und wenigstens so zu tun als stünde man mit einem Fuß auf der Nord- und mit dem anderen auf der Südhalbkugel ;D

So, das war also mein Weihnachten hier, es war leider etwas unspektakulär, aber hier ist es anscheinend auch so, dass Silvester anscheinend wichtiger als Weihnachten ist und auch mehr gefeiert wird ( man feiert es hier traditionell mit der Familie). 
Ich hoffe, ihr hattet alle schöne Feiertage zuhause und habt sie mit den Menschen verbracht, die euch wirklich wichtig sind! Wenn man so weit weg von zu Hause ist, weiß man ( zumindest ich) vor allem an solchen Tagen besonders zu schätzen, wie schön es ist, solche besonderen Tage zusammen mit seiner Familie zu verbringen - zumal man sich vielleicht sonst während des restlichen Jahres nicht so viel Zeit nimmt, sich einfach einen Abend zusammen zu setzen, schön zu essen und sich vor allem einfach zu unterhalten und Zeit miteinander zu verbringen. 

Jetzt wünsche ich euch dann erstmal ( weil ich ja Weihnachten leider schon verpennt habe :D) einen guuuuuuten Rutsch ins neue Jahr! Lasst es krachen und kippt euch schön einen hinter den Latz! Aber passt auf, ihr wisst ja was man sagt: Wein auf Bier, das rat ich dir, Bier auf Wein, das rat ich dir! PROST! 

Das sind die berüchtigten Tamales
..und das sind Buñuelos




4 Kommentare:

  1. Hallo Toni
    Seit Du Deinen Fuss auf die Nordhalbkugel gestellt hast schneits bei uns . Kannst Du das reparieren ? Vllt. nochmal zur Mitte fahren und dann das andere Bein auf Norden stellen ?
    Ich wünsch Dir auch einen guten Rutsch ins neue Jahr , noch gaaaaanz viel Spass am Äqator . Geniesse die Zeit mit Deinen neuen Freunden und schreib bittte weiter an diesem so erquickenden Reise-Blog .

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  2. Ich hätte gerne mit dir den ersten weihnachtsfeiertag gefeiert. Bei uns gabs nicht so gutes essen und auch nicht so viel alkohol......hicks

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  3. is doch schön wenn getanzt wird =) dir auch guten rutsch und liebe grüße aus LA =)

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  4. Also bei uns gabs ja nicht so ein tolles Weihnachtsessen wie bei dir... und auch nicht drei Tage hintereinander so tolles Zeug.
    Saludos :)

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